Ausführlicher Bericht

ANDALUSIEN 2013

 

1. Tag (16.07.13):

 

Anreise nach Chiclana

 

Keine besonderen Ereignisse am Anreisetag. Die Transfers via Bahnbus Ochtendung – Koblenz HBF – Bus Flughafen Hahn – Flug mit Ryanair nach Jerez de la Frontera – Zug nach San Fernando/Bahia Sur an die Küste liefen wie geschmiert. Keine Verzögerungen oder Verspätungen. Erwähnenswert vielleicht der kleine Irrweg des (amerikanischen!) Busfahrers durch den Hunsrück, letztlich aber ohne negative Konsequenzen bzgl. des pünktlichen Erreichens des Flughafens. Werner und Katrin haben mich in Bahia Sur mit dem Auto abgeholt und nach Chiclana geschippert. N.achmittags stand zunächst die Begutachtung des Fahrrads an. Nach ausführlicher Reinigung kam ich zu einer recht positiven Einschätzung des technischen Zustands. Kette/Ritzel/Mäntel in gutem Zustand, Schaltung und Bremsen funktionierten anstandslos.Viel war Gott sei Dank also nicht zu machen, lediglich ein neues Lenkerband wollte ich dem alten Stahlboliden spendieren. Da sich meine Gastgeber nach ihrer Emigration im Herbst 2012 mittlerweile an den spanischen Lebensrhythmus und Zeittakt angepaßt hatten, starteten wir erst recht spät in den Abend. Wir sind also gegen 20:00 an den Strand aufgebrochen und haben uns auf ein paar Bier in einer Bar niedergelassen. Obwohl uns auf dem Weg dorthin ganze Autokolonnen entgegenkamen, war der Strand immer noch ziemlich gefüllt, so langsam verlagerte sich aber alles in Richtung der zahlreichen Bars an der Promenade. Erst gegen zehn Uhr (durchaus normale Essenszeit dort) sind wir dann zum Abendessen in eine Bodega aufgebrochen. Uriges Teil, wo wir für kleines Geld diverse Tapas gefuttert haben, u.a. Boquerones en vinagre (in Essig und Öl eingelegte Sardellen), eine Köstlichkeit, die ich im Laufe meiner Reise des öfteren genossen habe.

 

 

 

2. Tag (17.07.13):

 

Einrollen: 2:15 Stunden / 60km / 315 Höhenmeter

Rund um Chiclana

 

Ich war echt früh auf und habe mich noch einmal der Fahrradsäuberung gewidmet. Das gute alte Bianchi 504 Vento ist nämlich noch aus Columbus-Stahlrohren gefertigt die überwiegend im Bianchi-typischen Celeste (ein helles Türkis) lackiert sind. Die Sattel- und Kettenstreben sind allerdings verchromt und dort hatte sich im Laufe der letzten 6 Jahre, wo es unbenutzt in der Garage stand, Flugrost angesetzt, der sich nur sehr widerstrebend meinen Reinigungsbemühungen beugte. Nach zwei Stunden war der Sieg aber mein und zumindest optisch war das Rad bereit für die Tour. Da ich sowieso wegen dem Lenkerband noch in den Radladen mußte, hat mir Werner aber auch noch einen zusätzlichen technischen Check ans Herz gelegt. Keine Einwände seitens des Mechanikers, allerdings eine andere Empfehlung, die sich für den Fortbestand der Tour als „lebensnotwendig“ erweisen sollte. Als er von meinem Vorhaben erfahren, die geplante Route auf der Karte gesehen und die montierten Kettenblätter und das Ritzelpaket begutachtet hatte, hat er mir nämlich eindringlichst einen Wechsel des Ritzelpakets empfohlen. War nachvollziehbar, da der montierte 39/23 als kleinster Gang (mit Gepäck!) in den Bergen unter Umständen ein Problem werden könnte. Vielleicht nicht für Miguel Indurain, aber für mich schon ! Hier in Alemania fahre ich kompakt und habe als kleinsten Gang 34/27 (ich weiß, ist ein Kindergang, aber man ist ja auch nicht mehr der Jüngste...). Da er keine 9fach-Rennradkassette vorrätig hatte haben wir eben eine Mountainbike-Kassette 11-32 montiert. Diese Entscheidung sollte sich in den kommenden Wochen noch als Glücksgriff herausstellen. Wir sind vorher noch in die Markthalle gefahren und haben Obst, Gemüse, Brot und Hühnchen für das Abendessen besorgt. In der Halle gab es auch noch eine ganze Menge Fischstände mit fangfrischer Ware. Ein optischer Leckerbissen. Nachmittags habe ich mit Werner noch eine kleine Radrunde gedreht, auch als letzten technischen Checkup. Da ich die ersten beiden Etappenzielefestgelegt hatte, habe ich auch die Übernachtungen via Internet vorgebucht. Dieses System habe ich die ganze Reise über beibehalten. Sobald die nächsten Etappen feststanden, habe ich vorgebucht. Ich wollte mich zwar nicht zu sehr in ein „Routenkorsett“ zwängen und Raum für spontane Änderungen lassen, aber ich wollte andererseits das Risiko vermeiden, keine oder nur eine teure Unterkunft zu finden, wenn ich auf gut Glück losfahre. Diese Kompromißlösung hat sich eigentlich bewährt. Allerdings waren auch die drei nicht vorgeplanten Stops problemlos und haben die eben erwähnten Befürchtungen nicht bestätigt. Abends haben wir dann gegrillt, uns leckere Chicken-Burger gebastelt und sind wieder erst relativ spät ins Bett..

 

 

 

3. Tag (18.07.13):

 

1. Etappe: 4:30 Stunden / 110km / 1.000 Höhenmeter

Chiclana de la Frontera - Los Naveros - Benalup-Casas Viejas - Alcalá de los Gazules - Paterna de Rivera - Arcos de la Frontera

 

Beim Packen habe ich mich entschieden, im Rucksack nur relativ leichte Dinge und die Wertsachen zu verstauen und Ersatzteile/Werkzeug sowie die ganzen Hygieneartikel in den Schlafsackbeutel zu packen und zusammen mit ebendiesem Schlafsack mit Gurten hinter der Sattelstütze zu verzurren. Das war anfangs nicht besonders stabil, im Laufe der Reise habe ich es aber perfektioniert und eine bombensichere Befestigungsmethode entwickelt. Dann habe ich mich von den beiden verabschiedet und endlich begann die eigentliche Reise. Ich war zwar voller Vorfreude, aber unterschwellig war da auch ein gewisses mulmiges Gefühl. Würde alles ohne größere Probleme ablaufen? Wie würde ich die Hitze vertragen? Wie die fast täglichen relativ langen Etappen mit Gepäck? Treten wieder meine alten Rückenprobleme auf? Verletzungen? Unfälle?

Ich bin dann losgerollt, die heutige Strecke kannte ich ja noch von den bisherigen Aufenthalten in Chiclana. In den ersten Tagen wollte ich die berühmten "Pueblos Blancos" abklappern, das heutige Ziel war Arcos de la Frontera. Zum ersten Mal mußte ich die Erfahrung machen, was es heißt, mit einem Mehrgewicht von 10-12kg Anstiege zu bewältigen. Die Form sollte in den kommenden Wochen zwar noch stark ansteigen, jedoch heute waren die meist kurzen, aber teils über 10% steilen Anstiege ziemlich hart. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, wenn es erst richtig in die Berge geht. Jedenfalls war ich schon heilfroh, hinten statt dem 23er- ein 32er-Ritzel zu besitzen. Die Fahrt ging heute durch sehr karge Landschaft, kein Baum und kein Strauch spendeten Schatten. Zusätzlich herrschte anfangs ein relativ starker Gegenwind und zusammen mit der Hitze war ich eigentlich schon nach zwei Stunden ziemlich platt. Dann setzten auch noch tatsächlich die befürchteten Rückenschmerzen ein. Das konnte ja heiter werden. Nach Alcalá hatte ich bis Arcos dann zwar nur noch Rückenwind, aber ich mußte mehrere Stops in Ventas an der Straße einlegen, um den Kopf mit Wasser zu kühlen, ein wenig im Schatten auszuruhen und ein paar eiskalte Coke Zero´s zu zischen. Ziemlich fertig in Arcos angekommen war dann sehr froh, daß sich meine Unterkunft als ein sehr nettes, gemütliches Hostal („San Marcos“) mitten in der Altstadt entpuppte. Arcos ist ein wunderschönes Städtchen, dessen Altstadt spektakulär hoch auf einem Felsen thront. Nachdem ich diese ausführlich erkundet hatte, habe ich mir Brot, Manchego, Jamón und Rotwein besorgt und den Abend sehr stimmungsvoll auf der Dachterrasse des Hostals mit einem grandiosen Ausblick auf das Umland ausklingen lassen.

 

 

 

4. Tag (19.07.13):

 

2. Etappe: 4:42 Stunden / 98km / 2.000 Höhenmeter

Arcos de la Frontera - Prado del Rey - Zahara de la Sierra - Grazalema - Ronda

 

Morgens gab es zuerst ein Frühstück, das bald zu meinem Standard-Beginn jedes Tages werdensollte: Bocadillo Catalán und ein Café con leche. Ich bin relativ früh (gegen halb neun) bei angenehmen Temperaturen zum nächsten Etappenziel Ronda aufgebrochen. Gleich zu Beginn waren 200HM zu erklimmen, aber danach ging es eher flach weiter Richtung Sierras de Grazalema, die schon in der Ferne unscharf zu erkennen waren. Nach Prado del Rey ging es wieder ricthig hoch und auch anschließend war es sehr wellig mit einem 20%er kurz vor Zahara als (vorläufig) krönendem Abschluß. Im Ort habe ich dann ein längeres Päuschen gemacht und mich nett mit einem belgischen Ehepaar und dem amerikanischen (!) Kellner unterhalten. Die Belgier haben mir dann bestätigt, daß der im Reiseführer empfohlene Weg nach Grazalema in der Tat wunderschön sei, allerdings über einen Pass führe. Es gab auch eine deutlich leichtere Route, aber was macht man nicht alles für ein paar schöne Fotos. Die bekam ich auch, aber ebenso einen Satz dicke Beine nach ca. 800 Höhenmetern gratis dazu. Die anschließende Abfahrt nach Grazalema war ein Traum, der Ort selbst sehr schön. Wie auch zuvor Zahara zählt Grazalema zu den Perlen der weißen Dörfer und es war eigentlich schade, daß ich sie mir nicht ausführlicher anschauen konnte bzw. wollte. Es war mittlerweile recht spät, ich war ganz schön kaputt und hatte daher zu diesem Zeitpunkt keinen Nerv mehr für sightseeing. Schließlich konnte ich mich diesbezüglich noch in Ronda austoben. Die letzten 30km nach Ronda waren dann schwer, obwohl es zunächst flach und angenehm schattig durch ausgedehnte Korkeichenwälder ging. Dann folgte eine lange, rasende Abfahrt an deren Ende ich in einem breiten Tal mit Backofenhitze landete. Nach Ronda waren es immer noch 10km und die wurden zu einem der härtesten Streckenabschnitte der Reise. Leere Beine, heißer Wind und dann noch einen Schlußanstieg hoch zur Stadt. Sogar 1km vorm Ziel bin ich noch eine Tanke für eine eiskalte Coke angelaufen. Hatte fertig. Das Hotel („Virgen de los Reyes“) war nicht so doll, aber o.k. Zunächst das sich ebenfalls täglich wiederholende Ritual: nach dem Duschen waschen der Radkleidung und dann an einem netten Plätzchen Tagebuch geführt und die Ereignisse des Tages niedergeschrieben. Selbstverständlich immer mit einer eiskalten Cerveza ! Der Stadtrundgang war toll, ich habe mir trotz der nicht einfachen Fahrt noch die Hacken abgelaufen und Unmengen von Fotos geschossen, bevor ich zum Abendessen ging. Das war etwas seltsam. Ich bin einer Empfehlung des Hotelangestellten gefolgt, die damit endete, daß ich statt dem dort üblicherweise wohl guten und günstigen "Menu del dia" (war noch zu früh) aufgrund sprachlicher Unzulänglichkeiten Schnitzel mit Pommes serviert bekam. Prima. War nicht gerade landestypisch, aber zumindest gut und günstig, da das Lokal ziemlich abseits lag. Zurück im (sehr zentral gelegenen) Hotel, habe ich mir dann noch ein paar Tapas genehmigt und ein wenig mit einem deutschen Pärchen geklönt. Ronda ist sehr schön, aber wahrscheinlich auch das mit Abstand touristisch überlaufendste der weißen Dörfer. In Erinnerung bleibt mir noch der Kellner der Bar, aufgekratzt beschreibt es nicht ganz, eher "leicht durchgeknallt auf Speed". Aber auf sympathische Art. Und die Tapas waren super !

 

 

 

5. Tag (20.07.13):

 

3. Etappe: 3:40 Stunden / 85km / 1.145HM

Ronda - Arrieta - Setenil de las Bodegas - Torre Alháquime - Olvera - Pruna - San Antonio del Fontanar - La Puebla de Cazalla

 

Morgens nur einen Cafe con leche als Frühstück und los. Zunächst ging's sehr entspannt eine längere Abfahrt runter, bevor die Anstiege des folgenden welligen Abschnitts meinen tatsächlichen Zustand offenbarten: absolut nix in den Beinen. Um Setenil, ein hübsches Örtchen übrigens herum konnte mich wenigstens die ebenfalls sehr schöne Landschaft mental etwas aufbauen. Auch der übernächste Ort Olvera war sehr schön und weckte die Hoffnung (da auf einem Hügel liegend) auf einen guten Ausblick über das Umland. Die Zeit war sowieso reif für eine Pause, also bin ich in die Stadt rein, habe das Frühstück mit Obst und Joghurt nachgeholt, den Hügel erklettert und dafür wahrhaftig belohnt worden. Von Olvares ging es zunächst eine traumhafte lange Abfahrt mit herrlich langgezogenen Kurven hinunter. Ich befand mich aber immer noch in den Ausläufern der Sierras, folglich mußte wieder ein Anstieg kommen. Tat er auch. Aus dem Bild geht die Fiesheit desselben nicht hervor, ist auch kein gutes Bild, aber ich hab's trotzdem mal reingestellt. Die Straße war autobahnbreit und ging kerzengerade mit geschätzten 10% Steigung endlos nach oben. Vielleicht kann man von dem Bild auch einen kleinen Eindruck von der Kargheit der Landschaft bekommen. Seltsamerweise war die Kraftlosigkeit in den Beinen auf einmal wie weggeblasen und ich kam bestens das Ding hoch (der kleine Snack in Olvera?). Auf der folgenden Abfahrt hätte es mich in einer plötzlich auftauchenden und nicht durch ein Warnschild angekündigten Kurve fast erwischt. Mit viel Mühe und Glück konnte ich einen Abflug vermeiden. Es war sehr steinig mit Felsbrocken und das wäre bei Tempo 50 wahrscheinlich das Ende der Tour gewesen. Der kleine Schock war aber schnell verdaut. So langsam näherte sich das Ende dieser Etappe und ich hielt auf der Karte Ausschau nach einem möglichen Übernachtungsort. Ich entschied, zuerst La Puebla anzufahren und bei Nichtgefallen nach Morón weiterzurollen. Vor La Puebla bot sich noch die Möglichkeit einer kleinen Schleife über eine Nebenstraße. Das kann manchmal lohnen, muß es aber nicht und heute war letzters der Fall. Der kleine Umweg zwang mich nicht nur zu völlig überflüssigen zusätzlichen 300 Höhenmetern, sondern glänzte auch durch landschaftlich völlige Reizlosigkeit (bis auf die schöne Hacienda zwischendurch) und einen Straßenbelag, der jeder Beschreibung spottet. Die letzten 9km bestanden aus einem dermaßen holprigen Flickenteppich mit zahllosen Schlaglöchern, daß ich in Schlangenlinien fahrend bemüht war, wenigstens dem Gröbsten auszuweichen und bergab nur mit gezogener Bremse fahren konnte. Das dies ohne Panne abging ist ein Wunder. Auch hier geben die Bilder den erlebten Zustand nicht ganz wieder. Auf einem kleinen Platz gegen 14:00 eintreffend fragte ich 5 Spanier, ungefähr in meinem Alter, ob es eine günstige Übernachtungsmöglichkeit im Ort gäbe. Gab es (Hostal "Los Ángeles", gut und günstig) und nachdem sie in einem kurzen Gespräch erfahren hatten, was ich so in Spanien treibe, wurde ich gleich an den Tisch gebeten. Die Frage nach einer evtl. Weiterfahrt nach Morón hatte sich schnell erledigt, denn in nullkommanix stand ein Bier vor mir und es folgten schnell noch drei weitere. Der urige Wirt hat auch noch zwei gegeben, so daß ich schon leicht bedüdelt von einem der Jungs samt meinem Rad per Auto in das Hostal verfrachtet wurde. Der Abend war wohl auch schon für mich vorgeplant, denn er wollte mich um 21:00 wieder zum Essen abholen kommen. Habe dann mein Waschprogramm erledigt, den Rest einer Tour-de-France-Bergetappe gekuckt, ein wenig gedöst, eine kleine Runde mit dem Rad durch den Ort gedreht. Irgendwie mußte ich ja die Zeit totschlagen und zu sehen gab es in dem Ort nicht viel. Ich wurde pünktlich abgeholt und zu meiner Überraschung fuhren wir nicht in den Ort, sondern über einen holprigen Feldweg etwas außerhalb zu seinem Haus. Dort war im Garten eine riesige Tafel gedeckt, seine Eltern, seine Familie, Freunde mit und ohne Familie saßen bereits am Tisch, insgesamt bestimmt 25 Leute. Ich wurde allen vorgestellt und dann begann ein sich bis drei Uhr nachts hinziehendes ausgiebiges Essen und Trinken, wo immer wieder neue Leckereien aus der Küche und vom Grill herangeschafft wurden. Wir konnten uns zwar nur mit meinen minimalen Spanischkenntnissen, "Händen und Füßen" und ein paar Englischbrocken verständigen, aber wir hatten riesiegen Spaß und es war ein unvergesslicher Abend. Der sollte sich in dieser Form zwar nicht mehr wiederholen, aber im weiteren Verlauf der Reise habe ich noch sehr oft die große Gastfreundschaft der Spanier kennenlernen dürfen. Leider gibt es keine Bilder von diesem Abend.

 

 

 

6. Tag (21.07.13):

 

4. Etappe: 4:20 Stunden / 107km / 320HM

La Puebla de la Cazalla - Marchena - Carmona - Las Rosales - Brenes - San José de la Rinconada - Sevilla

 

Die Vornacht steckte mir natürlich noch in den Knochen, aber ich bin trotzdem recht früh, gegen 09:00 leicht verkatert aufgebrochen. Landschaftlich war die heutige mit Sicherheit die ödeste und langweiligste Etappe. Ein Highlight zwischendurch war allerdings Carmona, der Anstieg dahin auch verantwortlich für 80% der heutigen Höhenmeter, ansonst war es brettflach und die ersten ca. 40km ging es darüberhinaus fast nur schnurstracks geradeaus, teils durch „verbrannteErde“, teils durch endlose Sonnenblumenfelder. Naja, wenigstens die Windrichtung erbarmte sich (anfangs!) meiner und schob mich zügig Richtung Norden. Marchena (auch eine Reiseführerempfehlung) bin ich (leider?) nur durchfahren, aber Carmona habe ich einen ca. 2stündigen Besuch abgestattet, was definitiv kein Fehler war. Hier begegnete ich auch zum ersten Mal einer schattenspendenden baulichen Maßnahme, die ich später vor allem in den größeren Städten wiedersehen sollte. Sieht neben dem funktionellen Aspekt auch noch klasse aus und wirkt speziell im Abendlicht sehr stimmungsvoll. Zunächst ging es hinter Carmona noch windunterstützt nach Norden, aber bald mußte ich 90° nach Westen Richtung Sevilla abbiegen und zum Schluß in einem langen Bogen nach Südwesten. Dieser Streckenabschnitt war dann der Killer. Die flache Ebene zwischen Sevilla im Westen und Cordoba im Osten gehört eh zu den heißesten Gegenden Andalusiens und jetzt blies mir dieser heiße Wind zunehmend stärker direkt von vorn entgegen. Dazu die flache monotone Strecke und die normale größere körperliche Erschöpfung gegen Ende einer Etappe. War wirklich kein Spaß, lediglich ein Stop in einer Mexican Bar kurz vor Sevilla (es gab die übliche Kombination meiner Afternoon-Stops: Cafe con leche + Coke Zero/Light) war aufgrund der nicht gerade unansehlichen Chica als Bedienung nochmal ein Stimmungsaufheiterer. Durch fast menschenleere Straßen bin ich dann in die Stadt reingerollt und habe relativ flott mein Hostal („Grand Luxe Hostel“) gefunden. Leider Gemeinschaftsunterkunft (dafür günstig: 16 EUR mit Frühstück) gebucht, sollte das einzige Mal während der Reise bleiben (s. diesbezgliche Anmerkungen unter "Allgemeines"). Ansonst ist das Hostel nämlich sehr schön, vor allem die Dachterrasse mit Blick auf die Kathedrale und über die ganze Stadt, aber auch der Aufenthaltsraum mit frei nutzbarer Internetstation (nicht nur freies Wifi) und die Gemeinschaftsküche. Habe viele nette Leute kennengelernt, internationaler geht's kaum (im Zimmer ein Chinese, ein Italiener, eine Brasilianerin; dann noch einen Ungarn, einen Schweden, drei Österreicherinnen, eine Amerikanerin, ausgerechnet aus Kona!, zwei Finnen). Ich bin dann noch zu einer kleinen Runde durch die Stadt aufgebrochen, den großen Teil des Sightseeings aber für di enächsten Tage aufgehoben. In Sevilla hatte ich 2 zusätzliche Tage Aufenthalt eingeplant. Ich entschied mich gegen ein Essen "auswärts" und  für das "Vino-Manchego-Jamon-Programm" auf der Dachterrasse, wo ich noch länger mit den Österreicherinnen und einem Finnen saß.

 

 

 

7. Tag (22.07.13):

 

Sevilla

 

Ich bin gegen 07:00 aufgewacht, weil ein neuer Mitbewohner unseres Gemeinschaftszimmers von seiner Partynacht heimgestolpert kam. Deutsch-Spanier, recht coole Socke. Naja, da ich schonmal wach war und einiges vor mir hatte, habe ich mich fertig gemacht, gefrühstückt und bin los. Zuerst habe ich mir die Kathedrale und Umgebung angeschaut, bin dann recht ziellos auf gut Glück weiter durch die kleinen Altstadtgäßchen des Barrio Santa Cruz, ab und zu habe ich mit dem Stadtplan meinen Standort gecheckt. Ziemlich viele Schnappschüsse gemacht und fast die gesamte Altstadt durchwandert. Ist immer wieder interessant, welche kleine Plaza oder was auch immer hinter der nächsten Ecke auftaucht. Allgemeine Anmerkung: das "äußere Stadtbild", also die Straßen, Plätze, Parks, Bauwerke, interessiert mich grundsätzlich mehr als "indoor" Museen und Ausstellungen. Da viel Zeit für diese Art der Stadterkundung draufgeht, bleiben einige kulturelle "must-do`s" zwangsläufig auf der Strecke, wenn man nur einen Zusatztag pro Stadt einplant. Mein weiterer Weg führte mich runter zum Fluß, dem leicht zungenbrecherischen Rio Guadalquivir. Auf der anderen Seite hat man den Stadtteil Triana gut im Blick, einem speziellen Viertel mit ganz eigenem Charakter, stark ausgeprägtem Zusammengehörigkeitsgefühl und einem traditionell hohen Bevölkerungsanteil an Roma. Wie der Zufall es will, beginnt dort heute Abend die jährliche "Feria", vielleicht vergleichbar mit der hiesigen Kirmes, die typischen kleinen Zelte waren schon aufgebaut. Wäre vielleicht eine Idee für den Abend.... Dann ging`s weiter den Fluß runter zum zweiten Wahrzeichen der Stadt, dem Torre del Oro. Ich hatte bis hierhin schon sehr viel gesehen aber es war eigentlich noch relativ früh, ca. 16:00 Uhr. Nach kurzer Überlegung entschied ich mich dazu, auch noch die Plaza de Espana dranzuhängen, einem riesigen Prachtbau inmitten eines herrlichen Parks. Zurück im Hostal war ich ganz schön geplättet, schließlich war ich ca. 7 Stunden durch die Stadt gelaufen. Im Aufenthaltsraum habe ich mich erst einmal mit einem eiskalten Bier in ein Sofa sinken lassen. Stefan, der Schwede, den ich kennengelernt hatte kam herein, wir quatschten ein bißchen und beschlossen, später nach Triana zur Feria zu gehen. War zwar wieder ein Fußmarsch, aber es hat sich gelohnt. Da war richtig was los, in jedem der kleinen Zelte gab es leckeres zu essen und zu trinken. Köstlich waren z.B. gegrillte Sardinen. Auch ein neues Getränk kennengelernt: Brujito oder Brusjito, artverwandt mit dem bekannten Mojito, jedenfalls nicht schlecht. Später kamen noch ein paar andere aus dem Hostal dazu und wir sind erst gegen 3 Uhr nachts heim.

 

 

 

8. Tag (23.07.13):

 

5. Etappe: 4:50 Stunden / 112km / 1.265 HM

Sevilla - Santiponce - Valencina de la Concepción - Salteras - Olivares - Gerena - Aznalcóllar - El Castillo de las Guardas – Nerva

 

Eigentlich war ein weiterer Tag für Sevilla eingeplant doch ich hatte bereits fast alles gesehen. Die wohl sehr schönen königlichen Gärten "Reales Alcázares" wurden Opfer meiner inneren Unruhe, ich wollte einfach weiter. Ich hatte zwar für eine Nacht mehr vorgebucht, aber sowohl die vorzeitige Abreise, als auch die verfrühte Ankunft im nächsten Hotel in Nerva waren kein Problem. Ein kurzer Anruf der netten Rezeptionistin hat alles geklärt. Also raus aus dem überhitzten Sevilla. Dies erwies sich aber als äußerst schwierig, da ich nur Autobahnen als Ausfallstraßen aus der Stadt fand. Erst nach mehreren erfolglosen Anläufen entdeckte ich zufällig eine Autobahnbrücke mit einem von der Fahrbahn abgetrennten Radweg. Der endete zwar auf der anderen Seite auf einem Feldweg, aber ein älterer spanischer Mountainbiker hat mich dann weitergelotst. Die ganze Aktion hat über eine Stunde für 10km gedauert. Zunächst war die Weiterfahrt landschaftlich ganz nett bevor es wieder eine längere Strecke flach durch die bereits bekannten eintönigen Sonnenblumenfelder ging. Vor Aznalcóllar war ich etwas näher an seltsamen Gebilden, die ich schon vorher von weitem sehen konnte. Nach der Reise habe ich ein wenig recherchiert: es handelte sich um das Solarwärmekraftwerk "PS 10". Im Ort habe ich zunächst in einer Bar gefragt und auch etwas später noch einen Ziegenhirten konsultiert, welcher Weg von zwei sich bietenden Alternativen der geeignetere sei. Da die Senores sich nicht einig waren, mußte ich auf gut Glück eine Wahl treffen. Hinter Aznalcóllar änderten sich die Landschaft plötzlich. Durch eine wieder etwas baumreichere Gegend ging es langsam bergauf Richtung der Sierra de Aracena, eine sehr gute kleine Straße schlängelte sich kurvenreich Richtung Norden. Ein sehr einsamer Streckenabschnitt, über eine Stunde habe ich kein Auto gesehen, außer dem Wind völlige Stille und in der Luft ein intensiver, wundervoller Geruch nach Piniennadeln und Wildkräutern. Ich war froh, mich für diese Straße entschieden zu haben. Einer längeren Abfahrt folgte ein welliger Abschnitt durch zunehmend grüner werdende Vegetation. Ich hatte nicht vorgebucht, fand in Nerva aber recht schnell ein relativ günstiges Hotel („Vazquez Diaz“), wahrscheinlich das einzigste im Ort, andere habe ich jedenfalls nicht gesehen. Nerva ist ein kleiner, ruhiger Ort, es gibt eigentlich nichts zu sehen (das sollte sich am nächsten Morgen als Irrtum herausstellen!) und für mich war es einfach nur ein Zwischenstop auf dem Weg in die Sierra de Aracena. Ich habe zunächst meinen obligatorischen Tagebucheintrag erledigt und ein nettes Gespräch mit einer älteren Einheimischen und dem Kellner geführt und etwas später auf der Plaza noch eine Kleinigkeit gegessen.

 

 

 

9.Tag (24.07.13):

 

6. Etappe: 4:30 Stunden / 100km / 1.755 Höhenmeter

Nerva - Minas de Riotinto - Campofrio - Aracena - Linares de la Sierra - Alajar - Peña de Arias Montano - Fuenteheridos - Castano del Robledo - Aguafria - Almonaster la Real - Santa Ana - Alajar - Aracena

 

Die heutige Etappe war zweigeteilt. Zunächst die Fahrt nach Aracena und dann von dort aus eine Rundfahrt durch die Sierras de Aracena, vom Reiseführer als landschaftliches Highlight angepriesen. Sie liegen im äußersten Nordwesten Andalusiens, nicht weit entfernt von der portugiesischen Grenze. Doch zunächst erfuhr ich vom Mann an der Rezeption, was ich gestern leider unwissenderweise verpaßt hatte (die Zeit hätte ich gehabt!): die Gegend um Nerva, mehr noch Minas de Riotinto, ist das größte zusammenhängende Tagebaugebiet Europas, mit der spektakulären Corta Atalaya als größter offener Mine Europas, alles zu besichtigen. Ich wollte einen Besuch der Minen jedoch nicht nachholen, da ansonst mein weiterer Reiseplan völlig durcheinandergekommen wäre. Bei der Ausfahrt aus der Stadt konnte ich wenigstens einige Blicke auf die Minenlandschaft erhaschen. Ist aber nicht mehr alles in Betrieb und so gibt es auch etliche häßliche Industrieruinen hinter Minas de Riotinto. Der Rezeptionist entpuppt sich übrigens als (Geologie?)-Professor, der vor Jahren u.a. mit der NASA vor Ort ein Forschungsprojekt geleitet hatte (bewiesen durch ein Dankesschreiben der NASA mit Foto an der Wand). Noch etwas Kurioses: nicht Barcelona oder Madrid, nein, Minas de Riotinto ist die Wiege des spanischen Fußballs !!! Englische Bergarbeiter führten 1875 das Spiel ein und gründeten 1878 den ersten spanischen Fußballverein, den „Club Inglés“, aus dem der „Rio Tinto Foot-Ball Club“ (RTFC) hervorging. Über breite, gut ausgebaute Straßen ging es ziemlich wellig nach Aracena, ich hatte relativ unauffällig bereits ca. 900 Höhenmeter gesammelt. Aracena ist ein hübscher Ort, das Zentrum für Touren durch die Sierra. Die Unterkunft war ein altes, schönes Landhotel („Los Castaños“), sicherlich auf dem Podium meiner besten Übernachtungen. Der Reiseführer hatte nicht übertrieben, die Tour war die schönste bisher. Zudem eine Wohltat, die Runde endlich ohne das lästige Gepäck absolvieren zu können !! Über kleine, aber gute Straßen ging es ziemlich schattig durch Pinien- und Korkeichenwälder, dazu wieder dieser herrlich intensive Nadelholzgeruch. Ich fand übrigens das ziemlich versteckte Linares und den grandiosen Ausblick von Peña de Arias Montano beeindruckender als das angeblich schönste Dorf der Umgebung, Almonaster la Real. Sehr schön waren auch ausgedehnte Kastanienwälder rund um Castano del Robledo. An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Die gesamte Gegend, speziell Jabugo, ist außerdem bekannt für den angeblich besten Jamón Ibérico Spaniens. Dieser stammt von einer anderen Schweinerasse als dem normalen Hausschwein (→ Lieferanten des gewöhnlichen Jamón Serrano) ab, nämlich den Ibérico-Schweinen, die in unterschiedlicher Menge und Dauer mit Eicheln gefüttert werden, denen der Schinken seinen unvergleichlichen Geschmack verdankt. In Aracena thront auf einem Hügel die Ruine eines Castillos. Von dort mußte man einen ziemlich guten Blick über die umgebende Landschaft haben. Habe mir also in bewährter Tradition das bekannte Paket „Brot/Käse/Schinken/Rotwein“ besorgt und bin nach einem kurzen Gespräch im Hotel mit dem Angestellten und einem spanischen Ehepaar gegen 21:00 zum Sonnenuntergangsdinner auf den Hügel geklettert. Es war wie erwartet, ein toller Blick auf Aracena und das Umland. Irgendwann gesellte sich ein junger Spanier aus Sevilla dazu, mit dem ich noch ein längeres Gespräch führte (er konnte recht gut Englisch). War ein smarter Typ, Physikstudent, der gerade einen Ferienjob auf dem Bauernhof von Verwandten machte und schon konkrete (recht ambitionierte) Pläne hatte: Forscher am berühmten C.E.R.N. In der Schweiz. Auf alle Fälle im Ausland, da er in Spanien keine Zukuntsaussichten sah.

 

 

 

10. Tag (25.07.13):

 

7. Etappe: 4:56 Stunden / 119km / 1.515 Höhenmeter

Aracena - Higuera de la Sierra - Zufre - Santa Olalla del Cala - El Real de la Jara - Cazalla de la Sierra – Constantina

 

Morgens bei angenehmen Temperaturen gestartet. Heute ging es durch den Parque Natural de la Sierra Norte, wie die Sierra de Aracena Teil der Sierra Morena. Gute Straße, wellig bergab, so könnte es weitergehen. Auf verkehrsarmen Straßen ging es vorbei an dem hübschen Zufre und dem gleichnamigen Embalse (Stausee) nach Santa Olalla. Kurz gestoppt und ein paar Früchte als spätes Frühstück. Auf der Weiterfahrt kam ich durch schöne Korkeichenwälder mit einer Unmenge an Findlingen. Dann wurde es „ernst“. Nachdem ich ein paar spanische Radfahrer nach dem schönsten Weg gefragt hatte, ging es 50km durch zwar wirklich sehr schöne und menschenleere Berglandschaft, allerdings war der Asphalt sehr rau und kräftezehrend, ein Paß mußte erklommen werden und das alles bei zunehmend drückender Hitze. Es folgte eine lange Abfahrt an deren Ende sich eine grandiose Aussicht auf den Embalse de el Pintado bot. Kurzer Cafe-con-leche-y-una-Coca-Cola-Zero-Stop und mental Kräfte gesammelt für den erwartet harten Anstieg nach Cazalla. Der entpuppte sich aber glücklicherweise als zahnloser Löwe und ich konnte den moderaten Anstieg sogar richtig drücken. So langsam schien Kraft in die Beine zu kommen. Es sollte sich als Strohfeuer erweisen, denn in Cazalla war ich plötzlich doch wieder ziemlich platt. Ein weiterer Stop an einer Tanke mit Coke, einem Magnum und Kopfdusche war nötig, um mich die letzten 20km bis Constantina durchhangeln zu können. In der Bar nebenan bereiteten sich die in reichlicher Anzahl vorhandenen Senores derweil in der ja bereits bekannten Art und Weise auf die Siesta vor. Wäre mir jetzt auch lieber gewesen, aber Augen zu und durch, erstmal in Constantina ankommen. Dort hatte ich eine Jugendherberge gebucht und hoffte inständig, daß die meinen deutschen Jugendherbergsausweis akzeptieren und nicht auf den internationalen beharren würden, der eigentlich notwendig ist. Zunächst war ich mental wieder obenauf, über eine super Straße ging es lange kurvig bergab und ich hatte die Fahrt schon abgehakt. Die Straße blieb auch super und weiterhin sanft kurvig, allerdings ging es wieder hoch, und zwar genauso lange wie vorher runter. Das hat mich die letzten mentalen und körperlichen Reserven gekostet, in Constantina war ich platt und um die Sache rundzumachen durfte ich die letzten 2-3km durch den Ort über übles Pflaster holpern und zur Jugendherberge führte ein kurzer, aber 20%iger Anstieg. Muchas Gracias. Gott sei Dank waren wenigstens meine Eincheckbefürchtungen unbegründet. Constantina war nach La Puebla und Nerva mal wieder einer der „ungeplanten“ Stopovers, hat mich dann aber positiv als bezauberndes Örtchen überrascht. Bin früh in den Ort aufgebrochen, die Jugendherberge hatte weder einen Internetzugang noch kaltes Bier zu bieten. Letzteres war begleitend zum Tagebuchschreiben bei jeder täglichen Ankunft quasi als Ritual fest gesetzt. Also auf zum Stadtrundgang mit „Diario“ und obligatorischem Foto-Shooting. Am Ortseingang schockte mich aber zunächst ein dermaßen häßlicher Wohnblock, den ich mir ohne weiteres in jeder größeren Stadt hätte vorstellen können, aber hier paßte der jedenfalls nicht hin. Ich machte die Bekanntschaft mit ein paar Kerlen, die in einer Bar abhingen und sich mit Litros Cruzcampo vergnügten. Die waren ganz nett, aber einer (mit Podolski-Trikot !) war unterschwellig leicht aggressiv und irgendwie hatte ich als „reicher Deutscher“, als den sie mich (und im Übrigen alle Deutschen!) ansahen, ein etwas mulmiges Gefühl. Ist aber nix passiert. Da auch hier wieder ein Hügel über der Stadt aufragte, bot sich eine Wiederholung des gestrigen Abends an und ich besorgte mir die nötigen Zutaten im Supermarkt. Auf einem kleinen Platz setzte ich mich kurz nieder und kam ins Gespräch mit einigen älteren Spaniern. Der Platz füllte sich langsam mit Leuten, eine Band begann kubanische Musik zu spielen, ich wurde weiteren Bekannten vorgestellt, bin klebengeblieben, verbrachte den ganzen Abend mit ihnen und habe mich relativ spät ganz herzlich von ihnen verabschiedet. Was geschah mit meinem Essenseinkauf? „Mußte ja weg“, wegwerfen kam für mich nicht in Frage und so hat der „Wortführer“ (er war wohl der Bürgermeister, sicher aber der Chef des örtlichen Jägervereins) mir zwischendurch in der Bar nebenan einen Nebenraum zum Tafeln organisiert. „Bring your own“ auf spanisch, cool.

 

 

 

11. Tag (26.07.13):

 

8. Etappe: 4:15 Stunden / 113km / 1.160 Höhenmeter

Constantina - Las Navas de la Concepción - San Calixto - Hornachuelos - Posadas – Almodóvar del Río – Villarrubia – Córdoba

 

Für eine Jugendherberge gab es ein richtig gutes Frühstücksbuffet, für mich das erste „herkömmliche“ auf der Reise. Gut gestärkt ging es los. Durch die Sierra de Hornachuelos (auch Teil der Sierra Morena) ging es heute raus aus den Bergen ins Flachland. Habe meinen Augen kaum getraut, aber es war bewölkt !!! Die Straße war 1a, aber es ging von Anfang an zunächst hoch und dann wellig weiter durch ungewohnt grüne, fast üppige Vegetation. Die Wolken haben sich dann rasch aufgelöst und durch die bekannten Korkeichenwälder ging es zunächst hoch zum Kloster San Calixto. Dann bis auf wenige Gegenanstiege nur noch sehr lange runter. Eine wieder erstklassige kleine neue Straße schlängelte sich kurvenreich nach Hornachuelos, eine Traum-Abfahrt. Nur einmal gab es kurz einen Schreckmoment, als in einer Kurve ein kleiner LKW entgegenkam. Ist manchmal schwierig, die Konzentration aufrechtzuerhalten, wenn vorher ewig kein Auto zu sehen war. Von Hornachuelos ging es immer noch weiter bergab, aber logisch, aus den Sierras kommend werden bis ins Flußtal des Guadalquivir jede Menge Höhenmeter vernichtet. Auf dem folgenden Flachstück bis Córdoba hat mich dann noch ein Monster-Rückenwind mit bis zu 45-50km/h angeschoben. Einmal Zeitfahren wie Toni Martin, das machte vielleicht Laune ! Einen Zwischenstop vor Córdoba gab es noch in Almodóvar del Río, wo schon weitem sichtbar ein Castillo auf einam Hügel über der Stadt zu sehen ist. Eine sehr gut erhaltene und aufwendig restaurierte Festungsanlage, von den Arabern errichtet im 8. Jahrhundert. Leider war ich zu spät, in 30min. schloß der Eingang und man ließ mich nicht mehr herein. Der Ausblick über das tellerflache Umland war aber auch schon sehenswert. Auf meinem „Weiterflug“ nach Córdoba buchte mein Bruder Hans-Georg nach mehrmaliger Kontaktaufnahme per Anruf/SMS eine Unterkunft für die nächsten beiden Tage. Volltreffer, das Hotel („Boston“) lag ruhig, aber mitten in der Innenstadt. Recht schön, geräumig, auch das Bad (sauber sind die Unterkünfte sowieso immer), freier Internetzugang, das alles für 20,-- EUR. Dazu war der Angestellte selbst Radfahrer, kam aus Cazorla (einem späteren Etappenziel) und sprach sehr gut englisch, perfekt. Ich bin zu einem ersten Rundgang durch die Stadt aufgebrochen und war sehr angetan. Sehr sauber und gepflegt, schöne Einkaufsstraßen und Plätze im „modernen“ Teil, aber auch in der Altstadt viele kleine Eckchen und Winkel, Patios. Und das Highlight Mezquita sollte ja morgen noch kommen. Ich habe dann eine gepflegte „Einheimischen“-Bodega gefunden und bei Tapas und Cerveza meinen Reisebericht verfaßt. Zurück im Hotel habe ich die Übernachtungen der nächsten 3 Etappen gebucht und bin anschließend zum Abendprogramm aufgebrochen. Riesige Abwechslung zur bisherigen Selbstverpflegung: zu Brot und Wein Chorizo statt Jamón !! Habe das Ganze gemütlich in einem Park verspeist und dann hat ein Pavillion nebenan meine Neugier geweckt, wo ein reges Kommen und Gehen herrschte. Es war ein recht schick gestylter „Food-Court“, der „Mercado Victoria“, mit einer Menge an sehr unterschiedlichen und variantenreichen Essensständen, wo ich meine erste (und das blieb auch die Beste!) Salmorejo gegessen habe, eine leckere Spezialität aus Córdoba, die man aber auch im restlichen Andalusien bekommt. Der Mercado ist unbedingt empfehlenswert. Hintendran gibt es noch etwas Feines, das ich aber erst am nächsten Abend kennenlernen sollte.

 

 

 

12. Tag (27.07.13):

 

Córdoba

 

Zuerst war Pflichtprogramm angesagt, die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt, die Mezquita-Catedral. Der Bau der Moschee wurde unter maurischer Herrschaft im Jahre 784 begonnen und bis 987 in verschiedenen Abschnitten erweitert. Nach der Rückeroberung Córdobas von den Mauren 1236 wurde die Moschee zur christlichen Kirche geweiht und zunächst am Gebäude nur kleinere Umbauten vorgenommen, bevor 1523 mitten in die Säulenhalle der Moschee ein gotisches Kirchenschiff eingebaut wurde, damals schon höchst umstritten. Vor allem das Innere des Gebäudes mit der berühmten Säulenhalle ist wirklich sehr beeindruckend. Anschließend ging es weiter mit einem ausgedehnten Marsch durch die Stadt, wobei ich zwischendurch immer wieder mal eine kurze Pause einlegte, um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Ihr wißt ja schon: cana y tapa.....   Dabei waren echt "Knüller" unter den Bodegas mit netten Kontakt zu Einheimischen, aber auch (obgleich gut "getarnt") "Touri-Fallen". Ist nicht ganz ernst gemeint, aber rund um die Sehenswürdigkeiten ist das Preis-/Leistungsverhältnis einfach deutlich ungünstiger. Besonders erwähnenswert m.E.: der riesige Innenhof der Plaza de la Corredera. Um 16:00 Uhr zurück im Hotel habe ich die Übernachtungen der nächsten Tage gebucht und mich dann etwas hingelegt und für den Abend ausgeruht. Bei diesen Stadtspaziergängen habe ich immer ziemlich "Kilometer geschrubbt", ein bißchen Beine hochlegen kann da manchmal nicht schaden. Bevor ich der Restaurantempfehlung des Portiers gefolgt bin, habe ich mich kurz auf ein Bier in die Fußgängerzone gesetzt und erstmals Bekanntschaft mit einer (eher unter Jüngeren) "Trinksitte" gemacht: es gibt Bars, die mit Eis gefüllte Eimer, lackiert mit dem jeweiligen Brauerei-Logo, anbieten, in die Flaschen Bier gestellt werden (z.B. 6 Flaschen für 5 Euro). Ist gar nicht "asi", sondern eigentlich ganz schick und wohl in Spanien recht beliebt. Die Restaurant-Empfehlung (Bar Moriles) war klasse, ca. einen Kilometer entfernt vom Zentrum in einer ruhigen Gegend. Sehr gut, sehr günstig, natürlich nur Einheimische dort, steht in keinem Reiseführer. Auf dem Rückweg bin ich dann zur Rückseite des Mercado Victoria gelangt (am Abend vorher nicht gesehen) und habe mich sofort dort hingepflanzt und einen Longdrink an der Bar geordert. Eine herrliche "Chillout-Location" mit Sitzgruppen, bequemen Sofas und Sesseln, stimmungsvoll beleuchtet. Eigentlich war der Abend gelaufen, aber ich habe gegenüber vom Hotel noch bei einem Absacker in einer Bodega Diego aus Jaén kennengelernt. Netter Kerl, der aber noch unbedingt in eine Disco wollte und auch keine Ruhe gegeben hat, bis ich mich, obwohl eigentlich gar keine Lust mehr, letztendlich habe breitschlagen lassen. War dann auch gar nicht der Brüller und die drei Rum/Sprite (wer kennt die spanischen Mischungsverhältnisse bei Longdrinks?) haben zwar für ungstörten Schlaf aber auch für etwas zähes Losrollen am nächsten Morgen gesorgt.....

 

 

13. Tag (28.07.13)

 

9. Etappe: 5:05 Stunden / 111km / 1.355 Höhenmeter

Córdoba - Alcolea - Villafranca de Córdoba - Adamuz - Algallarin - Montoro - Marmolejo - Andújar

 

Bin ziemlich verkatert gegen halb elf auf und erst gegen 12:00 los. Also die gesamte Fahrt mit Schädel in der Mittagshitze, toll. Draußen die positive Überraschung: bewölkt und relativ kühl, d.h. ca. 25°. Für heute wohl besser so !! Die Stadtausfahrt war nicht unproblematisch und gelang erst, nachdem mir ein Mountainbiker in meine gewünschte Richtung vorgefahren ist. Kurze Zeit später traf ich zwei Rennradfahrer, die den gleichen Weg hatten. Ohne die hätte ich die verkehrsarme Route nach Adamuz nicht gefunden. Wir sind ca. 30-40km zusammen gefahren und haben viel erzählt. Beide sahen recht fit aus und der eine (will 2015 IM Lanzarote machen) untermauerte dies zwischendurch mit einem spontanen (und durchaus beeindruckenden), längeren Bergsprint. In Adamuz haben sich die beiden verabschiedet und ich habe mich leider für die falsche Option entschieden, nicht den direkten Weg nach Algallarin, sondern über eine kleine Nebenstrecke. Die war schon zu Beginn nicht sehr gut, aber akzeptabel und wurde im Verlauf immer schlechter. Irgendwann bin ich in einer Sackgasse steckengeblieben. Laut Karte wäre die Straße weitergegangen, aber für mich war nicht erkennbar, wo das sein sollte. Gedreht und nach 1-2km zurück eine weitere Straße nach Algallarin gefunden, die gar nicht eingezeichnet war. Die war o.k. und nachdem ich auch um Algallarin ein wenig kreiseln mußte, um die richtige Via de servicio zu finden, kam ich schließlich nach Montoro, einem recht schönen Ort auf einem ? ... richtig, Hügel. Die Fragerunde in der spontan angesteuerten, urigen Bar gestaltete sich sehr lebhaft. Es lief gerade Formel 1, die meisten waren schon angeschickert und wie so oft zunächst ein wenig irritiert durch mein Auftauchen. Es war wie schon häufig zuvor, die erste Reserviertheit wich einer großen Hilfsbereitschaft, sobald ich durch die Bitte um Hilfe "das Eis gebrochen" hatte. Die Mischung aus örtlichem Dialekt, dem Pegel der Jungs und wildem gleichzeitigem Durcheinanderreden machten es aber heute unmöglich, mit meinem Minimalspanisch weiterzukommen. Zum guten Schluß ist der Wirt mit mir zu Fuß einmal um den Block zu einem Aussichtspunkt, von wo man einen sehr guten Ausblick über das Umland hatte und er mir die gesuchte Straße zeigen konnte. Über eine kleine und sehr gute Straße kam der schönste Streckenabschnitt des Tages. Zunächst Höhenmeter gesammelt und dann über eine Hochebene mit anschließender Abfahrt  nach Andújar, alles zusätzlich mit Rückenwind, sehr fein. Die Unterkunft („Hotel Logasasanti“) war o.k. Andújar ist eine kleine, ruhigen, unspektakuläre Stadt. Es gibt nicht sonderlich viel zu sehen, am besten gefallen hat mir der kleine Park am Ortseingang. Ich bin ein wenig durch den Ort geschlendert, habe ein paar Fotos geschossen und dann zwei Tapas-Bars besucht. Die zweite war spitze und dort habe ich auch meinen ersten Tinto de verano getrunken, ein beliebtes und erfrischendes Mixgetränk aus Rotwein und Zitronenlimonade, serviert auf Eis.

 

 

 

14. Tag (29.07.13)

 

10. Etappe: 4:20 Stunden / 100km / 1.205 Höhenmeter

Andújar - Bailén - Banos de la Encina - Linares - Ibros - Baeza - Úbeda

 

 Ich bin relativ spät los, da ich nach Konsultation mehrerer Personen auch nicht wesentlich schlauer war, wie ich den ersten Streckenabschnitt nach Bailén gestalten sollte. Meine Wunschroute hätte mich wieder durchs bergige Hinterland nach Banos de la Encina geführt. Man riet mir jedoch einstimmig davon ab, da die letzten 15-20km definitiv nicht asphaltiert seien. Blieb nur der direkte Weg gen Osten und da war ja nur meine geliebte Autovia. Alternative Routen südlich über Landstraßen wären viel zu weit gewesen, also war mal wieder ein Test der Qualität der Vias de servicio angesagt. Die ersten Kilometer verliefen vielversprechend. Dann kam als letzte kleine Erheiterung des Tages die Begegnung mit dem dicken Mountainbiker. Der war zwar eigentlich nur zivil mit Schlappen und Jeans unterwegs, fühlte sich aber irgendwie sportlich angestachelt, raste plötzlich bergab an mir vorbei und drückte auch im Flachen ordentlich á la Cancellara weiter. Der nächste leichte Anstieg kam aber und Pantani-like war das dann nicht mehr, Leute gibt's........Das war's dann aber auch mit Schmunzeln, das Lachen sollte mir bald vergehen. Plötzlich endete die Via de servicio an einem verrammelten Landpuff. Eine Odysse sondergleichen begann. Mehrmals versuchte ich dies- und jenseits der Autobahn mein Glück, probierte mehrere Wege aus um letztlich immer wieder umkehren zu müssen. Irgendwann erwischte ich dann doch einen Weg, der mich zunächst auf eine Landstraße führte, die aber nach 5km wieder an der Autobahn endete. Nächster Versuch Via de servicio, für rechtsseitig der Bahn entschieden und es begann richtig gut. Irgendwann nach 5km endete der Asphalt und ich bin über echt üblen steinigen/schottrigen Untergrund weiter, umdrehen wollte ich einfach nicht mehr. Das ging bestimmt 5km so und dazu noch hügelig. Irgendwann habe ich mal rübergeschaut und die linksseitige Variante war bestens asphaltiert !!! War aber viel zu spät, Augen zu und durch, wundersamerweise wieder keinen Platten bekommen. Irgendwann kam wieder Asphalt, zweimal noch Sackgassen ausprobiert und endlich in Bailén aufgeschlagen. Das war eine Menge Umweg gewesen und noch mehr verplemperte Zeit, also habe ich mir in einer Bodega erstmal was gegönnt. Der Dauerbrenner Bocadillo Catalan (sehr guter Schinken, dazu gab's noch köstliche Oliven) hat mich zusammen mit Cafe con leche und einer Coke Zero wieder gestärkt und gleichzeitig das ramponierte Nervenkostüm beruhigt. Habe mich trotz des suboptimalen Auftakts für die Zusatzschleife über den Reiseführertip Banos de la Encina entschieden. War auch schön, aber mittlerweile hatte ich erkannt, daß sich einige dieser angepriesenen Örtchen doch sehr gleichen. Immer wieder schön anzusehen mit den weiß gekalkten Häusern, oft in exponierter Lage auf einem Hügel thronend, ebenso oft mit einer baulichen Sehenswürdigkeit in Form einer schönen Kirche, eines alten Castillos oder Ähnlichem, aber wenn man 20 gesehen hat, kennt man es eigentlich. Zumindest habe ich beschlossen, keine großen Extrakilometer mehr zu fahren, nur um einen einzigen Ort noch zusätzlich abzuklappern. Im Gegenteil, im Verlauf der Reise bin ich durch viele mindestens genauso schöne Ortschaften gekommen, die mit keiner Silbe in Reiseführern erwähnt werden. Auf der Weiterfahrt sei noch der nette Spanier in dem Obstladen in Linares erwähnt, wo ich meinen Wasservorrat aufgefüllt hatte und der mir zur Stärkung für die Fahrt einiges an Obst geschenkt hatte. In dieser 70.000-Einwohner-Stadt war wieder Durchfragen nötig und nachdem das erledigt war, war ich auf Ausrollen in Richtung des Etappenziels eingestellt. Entsprechend war die Freude, bis Baeza auf 10km Länge 700 Höhenmeter erklettern zu dürfen, zunächst auf stark befahrener Nationalstraße, dann auf der alten,  parallel verlaufenden Strecke. Jedenfalls ging es  monoton gleichmäßig bergan, fast geradeaus, breite Straße, null Verkehr, kein Schatten und sehr heiß. Die Motivation war im Keller, am Ende dieses Tages war das echt hart. Ich war ziemlich kaputt, es war schon spät und so blieb Baeza als Weltkulturerbe nur ein kurzer Zwischenstop vorbehalten auf dem weiteren Weg nach Úbeda, seines Zeichens ebenso Weltkulturerbe. Die beiden Städte (laut Marco Polo die schönsten Renaissancestädte Spaniens) liegen dicht beieinander und ich hatte mich im Vorfeld entschieden, in Úbeda zu übernachten ("Hostal Victoria", sehr einfach aber o.k.). Bei der Weiterfahrt nach Úbeda waren in der Ferne auch schon die Ausläufer der Sierra de Cazorla zu sehen, das morgige Etappenziel. Es war daher im Nachhinein doch vorteilhaft, die letzten 700 Höhenmeter bereits heute absolviert zu haben, der nächste Tag sollte auch so schon sehr anstrengend werden. Úbeda fand ich auch noch beeindruckender als Baeza, ich habe einen ausgiebigen Stadtrundgang gemacht und dann meine Abendessensrunde gedreht. Besonders in Erinnerung bleiben mir die beiden letzten Lokalitäten. Zum einen die "derbe" Kneipe, wo mir eine bis dato neue Speise kredenzt wurde: Higado de pollo (->Hühnerleber). Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber ich fand es sehr lecker, vor allem die Zubereitungsart (kann leider diesbzgl. keine Details liefern). Dann eine schickere Bar mit qualitativ sehr guten Tapas, wo ich Pedro und seine Freundin kennenlernte. Er spielt u.a. in einer Metal-Band und so hatten wir über das Thema Musik reichhaltigen Gesprächsstoff. Die beiden ließen sich auch nicht abhalten, die gesamte Rechnung zu begleichen und mich auch noch zum Hotel zurückzubegleiten. War wirklich ein sehr schöner Abend. Und da war noch die rätselhafte Straßenbezeichnung. Kann sich eigentlich nicht um den früheren argentinischen Nationalspieler handeln...   ;-)

 

 

 

15. Tag (30.07.13)

 

11. Etappe: 4:28 Stunden / 102km / 1.455 Höhenmeter

Úbeda – Sabiote – Castellar de Santisteban – Villacarrillo – Mogón – Santa Tomé – Cazorla

 

Heute sollte es in die Sierra de Cazorla gehen, Teil des größten spanische Nationalparks „Sierras de Cazorla, Seguras y las Villas“. Der direkte Weg wäre mir aber viel zu kurz gewesen, daher habe ich einen Umweg ausgewählt, der mich durch das nördliche Hinterland führt. Ein sehr netter Apotheker hat mir morgens den Weg geschildert und es stand wieder einmal die grundsätzliche Entscheidung über die Streckenwahl an. Größere und evtl. bessere, oder kleinere und potentiell holprige. Ich beschloß letzteres und wurde diesmal belohnt. Von Sabiote, auf einem Bergkamm gelegen, bot sich eine grandioser Ausblick. Ich hatte ein kurzes, nettes Gespräch mit ein paar Mountainbikern und dann ging es eine lange, tolle Abfahrt hinunter. Anschließend folgte ein längerer aber moderater Anstieg durch recht eintönige Olivenhaine nach Castellar. Ich war bereits jetzt schon recht müde und die Hitze setzte mir doch stark zu. Im Ortsbrunnen abgekühlt und wieder das alte Spiel: lange, schöne Abfahrt, langer Anstieg nach Villacarrillo, lange Abfahrt nach Mogón. Ab da wurde es eine ziemliche Quälerei. Ich hatte kein Wasser mehr und das Flachstück nach Santa Tomé wollte gefühlt kein Ende nehmen. Dort war wieder ein Dorfbrunnenstop angesagt um abzukühlen und ein wenig Kraft für den Anstieg nach Cazorla zu sammeln. Es gab dann noch die übliche „Vor-Siesta-Versammlung“ einiger Hombres in der Bar neben dem Brunnen. Die Jungs waren schon gut drauf und wollten mich zu einem Bier überreden. Konnte ich schließlich abwenden, dafür gab es eine Kleinigkeit zu essen und sie haben mir auch eiskaltes Trinkwasser besorgt. War eine echt spaßige Begegnung. Ich hatte anschließend einen langen Anstieg nach Cazorla erwartet, aber zunächst war es lange flach bzw. nur ganz moderat ansteigend. Erst zum Schluß wurde es dann steiler mit einer richtigen Rampe in den Ort hinein. Die Unterkunft („Hotel Andalucía“) war recht schön, vor allem sehr geräumig, der ältere Wirt wirkte zunächst zwar etwas brummelig, war aber eigentlich sehr nett. Ich bin nur ein bißchen durch den Ort gebummelt, habe zu meiner Überraschung ein Internetcafe gefunden und die nächsten Etappen geplant, Hotels gebucht bzw. storniert. Ich hatte nämlich eine größere Änderung der Route beschlossen, die Entfernungen zu den vorher geplanten Zielen waren einfach zu ungünstig. So entfiel z.B. eine überlange Etappe von Guadix in die Alpujarras, die zusätzlich die Überquerung eines 2.000m-Passes in der Sierra Nevada nötig gemacht hätte. Stattdessen nahm ich (das ursprünglich gestrichene) Jaén wieder in den Plan auf und wollte nach einer Schleife dann von Westen her nach Granada fahren. Das Abendessen brachte dann mal wieder ein grundsätzliches „Problem“ zu Tage. Wenn man nicht das Glück hat, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen, kann so ein Abend auch recht einsam sein, kurioserweise in einer Situation, in der man sich inmitten vieler Leute befindet und ringsum „das Leben tobt“. Meist gehen die Locals mit der Familie, mit Freunden oder Kollegen essen und es ist in Spanien absolut verpönt, sich einfach irgendwo dazuzusetzen. Also hängt es davon ab, ob man eingeladen wird, sich hinzuzugesellen, oder eben nicht. Logischerweise ist letzteres eigentlich die Regel. An der Theke einer Tapas-Bar kommt man leichter und schneller in Kontakt, aber abends draußen beim Essen ist das schwieriger. Trotzdem war der Abend recht stimmungsvoll mit der Bergkulisse im Sonnenuntergang im Hintergrund. Ein (kleiner) Fehler war, sich den Ort nicht intensiver angeschaut zu haben, beim Aufbruch am nächsten Tag entdeckte ich zufällig noch sehr schöne Ecken. Ein anderer (größerer) Fehler war, nicht zusätzlich noch ein bis zwei Tage länger in Cazorla zu bleiben und Touren in die Sierras zu unternehmen. Ich habe so mit Sicherheit sehr schöne landschaftliche Impressionen verpaßt.



 

 

16. Tag (31.07.13)

 

12. Etappe: 5:10 Stunden / 110km / 2.040 Höhenmeter

Cazorla – Quesada – Pozo Alcón – Bácor-Olivar – (Bául) – Guadix (mit Auto) – Purullena

 

Heute sollte ein bemerkenswerter Tag werden, sehr unhomogen mit „ups and downs“ und es kam diverse Male anders als erwartet, was den mentalen Part sehr schwierig gestaltete. Bin früh aus dem Bett gefallen und habe den armen Opa rausgeklingelt (die Haustür war abgeschlossen), was ihn aber nicht genervt hat. In einer Bar habe ich zwar einen Cafe con leche bekommen, aber die Küche war noch geschlossen. Also Brot besorgt und eine Metzgerei gefunden, wo man mir einen leckeren Jamón aufgeschnitten hat, den ich sogar geschenkt bekam. Die Portion war wohl zu poplig, um sie zu berechnen. War gar nicht so einfach, aus dem kleinen Ort zu finden, aber dabei habe ich noch ein wenig mehr zu sehen bekommen als am Vortag. Zu dieser frühen Zeit herrschte noch ein wundervoll mildes Morgenlicht, was den Ausblick auf Cazorla und das Umland noch schöner erschienen ließ. In diesem Licht wirkten selbst die Olivenhaine nicht so eintönig wie üblich, die Straße runter nach Quesada war auch ein Traum. Dort begann der Aufstieg zum Puerto del Tiscar, der sich aber als gar nicht so schlimm präsentierte. Es waren zwar 650 Höhenmeter, aber kein steiles Stück zu überwinden. Oben bot sich zu beiden Seiten des Passes ein wundervoller Ausblick, landschaftlich war der Auf- und noch mehr der erste Teil des Abstiegs zum/vom Paß vielleicht der schönste Abschnitt der ganzen Tour. Ich dachte, von hier oben geht es bis zur 20km entfernten Talsperre nur runter und ich bekomme diesen Abschnitt „geschenkt“, aber es kam anders. Zuerst ein landschaftlicher „Cut“, aus kühlem schattigen Wald führte der zweite Teil der Abfahrt durch sehr karges Land, es war viel heißer und es blies ein starker Gegenwind, auch auf dem Flachstück nach Pozo Alcón. Hier war bereits ein Brunnenstop zur Kühlung angesagt, der von den anwesenden Rentnern leicht skeptisch beäugt wurde. Richtung Cuevas del Campo kam zum heißen Gegenwind auch noch ein steiler Anstieg hinzu. Als ich schon resigniert damit rechnete, zum Stausee ginge es weiter so hoch, folgte dann auf einmal eine Wahnsinnsabfahrt runter zu selbigem. War sehr beeindruckend, der smaragdgrüne Embalse de Negratin mitten in der flirrenden Hitze einer kahlen Landschaft. Von hier sollte ein kleines Sträßchen Richtung Guadix führen und ich war auf ein lockeres Heimrollen eingestellt, so ging es jedenfalls aus der Karte hervor. Ich fand das versteckte Sträßchen auch, der Asphalt war schlecht, aber es war tatsächlich flach und sehr idyllisch. In Bácor-Olivar erschreckte mich urplötzlich die Attacke eines Köters, der aus einer Hofeinfahrt herausgeschossen kam, es war ein schlechtes Vorzeichen für die kommenden Kilometer. Wie gesagt war ich auf flaches Rollen eingestellt und im Ort ging es zunächst mal steil bergan. Da rechnete ich noch mit einem kurzen Hügel, aber es ging weiter so, ca. 8-10° Steigung und das Ganze über 4km. Sehr heiß und dazu jetzt noch dicke Beine. Oben sah es erst flach aus, aber es ging weitere 8km nonstop hoch. Gott sei Dank jetzt bei weitem nicht mehr so steil (vielleicht 4-5°) und mit Rückenwind lief es eigentlich richtig gut. Trotzdem hattRiese ich am Ende ca. 1.000 Höhenmeter mit einem 12km-Anstieg in den Beinen, also viel mehr als beim Paß hinter Quesada. Und auf den war ich ja eingestellt, hier hatte ich das überhaupt nicht auf der Rechnung. Ums perfekt zu machen hörte die Landstraße oben einfach an einem Restaurant auf und es ging nur eine Autobahn weiter. Zurück hätte einen Riesenumweg bedeutet und ich war platt. Alternativen gab es keine, die zunächst ausprobierte Via de servicio endete nach einem Kilometer auf einem Feldweg.Wegen der Sicherheit hätte ich mir zwar keine großen Gedanken gemacht, es gab einen ausreichenden Seitenstreifen, aber ich wollte Streß mit der Polizei vermeiden und bin deshalb auch nicht auf die Autobahn. Die LKW-Fahrer auf dem Parkplatz fuhren in die entgegengesetzte Richtung, also habe ich im Restaurant mein Problem geschildert. Iregendwann hatte wohl jemand eine Idee und man rief einen in der Nähe lebenden Engländer an, wohl ein Stammgast, und der kam tatsächlich extra mit dem Auto und hat mich ca. 30km über die Autobahn nach Guadix bugsiert, wo wieder ein Landstraßenanschluß war. Das war echt großes Kino, ich wäre sonst ziemlich aufgeschmissen gewesen. In Guadix wollte ich mir das bekannte Höhlenviertel anschauen, in einem speziellen Wohnviertel sind in das weiche Gestein ca. 2.000 Wohnhöhlen gegraben, die dem Viertel ein einzigartiges Gesicht verleihen. Zunächst wollte ich aber meine Unterkunft beziehen und die war im 7km entfernten kleinen Örtchen Purullena. Die Hotels in Guadix waren mir alle zu kostspielig gewesen und selbst diese Unterkunft („Apartamentos El Horno“) zählte mit 35 EUR zu den teuersten der Reise. Dafür war es ein niegelnagelneues Appartment, groß und ziemlich edel eingerichtet, zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Unterkünften. Ich bin dann trotz des harten Tages mit dem Rad zurück nach Guadix. Das Höhlenviertel war nett, aber eigentlich hatte ich wesentlich Spektakuläreres erwartet und war ein wenig enttäuscht. Da ich nicht im Dunkeln zurück nach Purullena wollte, bin ich zum Abendessen dorthin zurück, obwohl da ziemlich der Hund begraben war. Noch nicht mal ein kleiner schöner Dorfplatz mit ein paar Bars oder Restaurants war vorhanden, aber ich fand dann doch noch ein nettes Lokal und bin relativ früh ins Bett.

 

 

 

17. Tag (01.08.13)

 

13. Etappe: 4:00 Stunden / 103km / 1.320 Höhenmeter

Purullena – Darro – Torre Cardela – Guadahortuna – Huelma – Cambil – La Guardia de Jaén – Jaén

 

Bin sehr früh aufgestanden und bereits um 7:30 losgefahren. Vorher gab es allerdings eine ungeplante Hürde zu überwinden. In der Appartmentanlage gabes keine Rezeption, die Senora Dulce, die mir gestern aufgeschlossen hatte, kam für diese Zwecke immer extra mit dem Auto. Ich sollte bei der Abreise einfach den Schlüssel in den Briefkasten (innen) reinwerfen. Machte ich also und stellte anschließend fest, daß die Haustür abgeschlossen war. Nicht von mir, denn man kann die Tür von außen nicht ohne Schlüssel öffnen und so erschien mir am Abend vorher ein zusätzliches Abschließen von innen unnötig. Gott sei Dank hatte ich ja die Telefonnummer im Handy und es war tatsächlich schon jemand an der Hotline um diese Uhrzeit. Glück gehabt, die Weiterfahrt verzögerte sich nur um 15min. Auf der Abfahrt hinterm Ort dann gleich das nächste Mißgeschick: bin hart durch ein Schlagloch gerattert und es hat meine Trinkflasche und, viel schlimmer, meinen Fotoapparat (hinterm Vorbau in einer Tasche mit Klettverschluß untergebracht) rauskatapultiert. Ich habe beides eingesammelt und der Apparat hatte zwar eine kleine Macke abbekommen, funktionierte ansonst aber einwandfrei. Puhh, war eben japanische Wertarbeit ;-) Was kam dann? Eine Autobahn !!! Diesmal existierte aber eine schön asphaltierte Via de servicio und ich konnte ohne Probleme in die gewünschte Richtung weiter. Zunächst war gleich ein happiger Anstieg zu verdauen, aber dann ging es auf einer Hochebene relativ flach weiter. Auf diesem „Altiplano de Granada“ lief es auf zwar zunächst verkehrsreicher Straße, dafür aber mit Rückenwind richtig gut. Nach einigen Kilometern ging der Hauptverkehr aber links weg Richtung Granada und ich war wieder fast alleine in der fast grenzenlosen Weite dieser Hochebene. In langen Wellen mit immer wieder furiosen Abfahrten erreichte ich Huelma, das Tor zur Sierra Mágina. Der erwartet harte bzw. lange Anstieg blieb aber aus, nach lediglich 350 Höhenmetern hatte ich den höchsten Punkt bereits überwunden und es folgte nach der Abfahrt aus der Sierra Morena nach Córdoba das zweite absolute Highspeed-Erlebnis der Reise. Abgesehen von einem relativ kurzen Zwischenanstieg hinter Cambil ging es 30km nur runter oder flach weiter. Auf den letzten 20km bis Jáen blies der Wind dann aber heftig von vorne und ich hatte auf der flachen Strecke nach ca. 10km genug von diesem fiesen Tempokiller. Also bin ich abgebogen nach La Guardia de Jáen. Von der Entfernung ist es dasselbe, als wenn man auf der flachen Hauptstraße (trotzdem kein Verkehr, parallel läuft die Autobahn) weiterfährt, es ist aber ein richtig knackiger Anstieg hoch nach La Guardia. Egal, war mir lieber als das verhasste „gegen-den-Wind-drücken“. Brunnenabkühlung, kleine Schrecksekunde (Straße für 200m unasphaltiert), Riesenabfahrt und nach Jáen nochmal ein bißchen hochklettern müssen. Die Stadt hat ca. 120.000 Einwohner und die Suche nach meiner Pension war richtig schwierig. Ich habe bestimmt 10 Leute angesprochen, aber keiner kannte die Straße im Zentrum. Ein älterer Spanier hat mich dann mit ins Büro genommen und die Google-Suche war erfolgreich. Die Straße war umbenannt worden und anschließend auch schnell gefunden. Ein sehr schönes, blitzsauberes Etablissement, meinerseits unbedingt zu empfehlen: „Pension Iberos“. Sehr nette Inhaberin, die viel Interesse an der Herkunft, dem Reiseziel usw. Ihrer Gäste hat, wir haben uns lange gut unterhalten. Dies ging zwar oft nur mit dem etwas holprigen Hilfsmittel „Google-Übersetzer“, machte aber eine „komplexere“ Unterhaltung erst möglich. Dann habe ich ein Internetcafe zwecks Hotelbuchung und Reisebericht per mail in die Heimat aufgesucht. Ich habe mir bei meinem anschließenden Stadtrundgang nur die sehr beindruckende Kathedrale und einen kleinen Teil der Altstadt angesehen. Hoch über der Stadt hat man von einem Hügel mit Sicherheit eine fantastische Aussicht, aber ich konnte mich nicht zu ausgiebigerer Erkundung motivieren. Vielleicht lag es auch an der Temperatur, wenn die elektronische Anzeige im Zentrum funktioniert hat, waren es 44°, das war Rekord für die Reise. Also hingesetzt und das Cana+Tapa-Programm durchgezogen. Zufällig in einer kleinen Gasse eine urige Bodega entdeckt, wo es turbulent und lautstark herging. Der junge dicke Wirt war fanatischer Real-Madrid-Fan und sein Kumpel hat mir im Laufe des Gesprächs (wir kamen irgendwie auf Musik) eine Freikarte für The Prodigy in Almeria angeboten (er war Mitorganisator des Konzerts). Hätte ich gerne angenommen, aber Almeria lag leider nicht auf meiner Route. Beim Heimkommen habe ich versehentlich die Wirtin aus dem Bett geklingelt und wahrscheinlich einen Teil meines durch das interessante Gespräch am Nachmittag erworbenen Symphatiebonusses wieder verspielt.......

 

 

 

18. Tag (02.08.13)

 

14. Etappe: 4:21 Stunden / 92km / 1.605 Höhenmeter

Jaén – Los Villares – Fuensanta de Martos – Martos – Monte Lope – Albendín – Baena – Luque – Zuheros

Ich bin früh aufgestanden und gleich los gegen 7:45 Uhr. Das Frühstück habe ich sausen lassen, auch um mir die Peinlichkeit von Erklärungsversuchen für meine nächtliche Rausklingelaktion zu ersparen. Die letzte Bodega am Vorabend hatte aber ihre Spuren hinterlassen, ich fühlte mich schlapp und kraftlos und dazu standen mal wieder gleich 300 Höhenmeter als Auftakt an. Im nächsten Ort bin ich spontan auf die Nebenstrecke abgebogen, was erneut eine gute Wahl war. Sehr unauffällig kamen allerdings etliche weitere Höhenmeter zusammen. Die Steigungen waren zwar kaum der Rede wert, es gab immer wieder flache Abschnitte, aber das ging so über 15km. Das fehlende Frühstück machte sich plötzlich in Form eines Anflugs von Hungerast bemerkbar und so habe ich im nächsten Ort Martos gleich die erstbeste Verpflegunsmöglichkeit angesteuert. Der Ort ist aber viel größer als am Ortseingang erkennbar und ich hätte ein bis zwei Kilometer weiter im Zentrum ungleich größere Möglichkeiten gehabt, aber so bin ich in das willenlose Geschäft reingestolpert. War eine Art Tante-Emma-Laden mit einem sehr kargen und irgendwie seltsamen Produktsortiment. Baguette hatten sie, aber als Belag gab's nur die Wahl zwischen 500g-Packungen Kochschinken oder Scheibenkäse. Dann entdeckte ich noch eine ganze Fuet-Salami und habe mir damit ein Riesen-Bifi gebastelt. Wasser, kein Problem, allerdings nur in Form einer (gefrorenen!) 2l-Pulle. Den Nachschlag (supersalzige Anchovis aus der Konserve) hätte ich mir trotz Hunger lieber sparen sollen. Der Inhaber war übrigens ein echt rauher Geselle, ketterauchend mit Lee-Marvin-Baß und einer unfaßbaren „Katz om Kopp“. Hat mir aber trotzdem nett bei der Weiterfahrt geholfen. Es ging wellig weiter bis Baena unter mittlerweile wieder recht heißen Temperaturen. Ich war ein wenig platt und machte eine halbe Stunde Pause in einem schattigen Park. Der Weg war aber fast geschafft und ich stand schon nach wenigen Kilometern kurz vor der Auffahrt nach Zuheros. Mittlerweile war wohl die Bifi in den Beinen angekommen, ich fühlte mich deutlich besser und beschloß, noch eine Schleife über Luque dranzuhängen. Das ist wie Zuheros ein schmuckes kleines Örtchen im Norden der Sierras Subbéticas, ich hielt mich aber nur kurz auf und bin zu meinem Tagesziel weiter. Mußte dann noch 2km einen 10%er hoch und ganz zum Schluß bestimmt 15-20% in den Ort hinein, allerdings nur ein paar hundert Meter. Das „Hotel Zuhayra“ fand ich sehr schön, der ganze Ort ist ein Schmuckstück, aber sehr klein und extrem ruhig. Im Hotel habe ich länger mit dem Rezeptionisten gesprochen. Er kam aus Priego de Cordoba (meinem nächsten Etappenziel), hatte 20 Jahre in Mallorca gearbeitet und konnte (wahrscheinlich deshalb) sehr gut Englisch. Hat mit mir dann noch einen kleinen Spanischkurs abgehalten. Zum Reiseberichtschreiben habe ich mich draußen vorm Asador Restaurante Los Palancos niedergelassen, an einem kleinen Platz mit Brunnen gelegen und mit einer wunderbaren Aussicht über das Umland. Ich weiß zwar nicht weshalb, aber einen gewissen Bekanntheitsgrad muß der Laden haben, da innen Unmengen an Fotos des Besitzers zusammen mit Fußballstars hängen (Zidane, Raul und viele mehr). Die Innenausstattung ist sowieso etwas ungewöhnlich bzw. schräg mit der Mischung aus Fotos, ausgestopften Tieren, maurischen Stilelementen und einer Unzahl von sonstigem Nippes. Schwer zu beschreiben, muß man gesehen haben, vielleicht bringen die Fotos das einigermaßen rüber. Vorm Abendessen hat sich bei dem Ortsrundgang der erste Eindruck bestätigt: klein, aber fein, wie aus dem Ei gepellt. Allerdings wie ausgestorben, was aber wohl jahreszeitbedingt war, wie ich bei einem Gespräch mit zwei Einheimischen erfuhr, da außerhalb des heißen Hochsommers wohl deutlich mehr Touristen den Ort besuchen. Die in der Nähe befindliche Cueva de los Murciélagos, das bedeutendste Höhlensystem der Sierras Subbéticas, habe ich leider nicht besucht bzw. besuchen können, das hätte (mal wieder) den Zeitrahmen gesprengt. Das Abendessen habe ich im Hotel eingenommen, war sehr gut, aber ich hockte völlig allein im Innenhof des Hotels. Hätte heute lieber die Variante Selbstverpflegung gewählt, aber das habe ich mir zu spät überlegt, die kleinen Läden hatten alle schon zu. Bin dann nochmal zurück auf den kleinen Platz und endlich war der spätabends ein bißchen mit Einheimischen bevölkert, sogar ein paar Engländer saßen an einem Tisch.

 

 

 

19. Tag (03.08.13)

 

15. Etappe: 3:32 Stunden / 85km / 1.370 Höhenmeter

Zuheros – Doña Mencia – Cabra – Llanos de Don Juan – Zambra – Rute – La Hoz – Iznájar – El Higueral – Priego de Córdoba

 

Dies sollte ein nicht so reibungslos ablaufender Tag werden. Er begann perfekt: ein gutes und reichhaltiges Frühstück im Hotel. Ich durfte den Hotel-PC an der Rezeption benutzen und konnte die Eintrittskarte zur Alhambra sowie einen saugünstigen Flug von Málaga nach Köln/Bonn buchen. Ich wollte den Buchungstermin nicht auf die letzte Minute rausschieben, nur um evtl. spontan noch andere Reiseziele einschieben zu können, also legte ich mich bzgl. der verbleibenden Etappen und dem Abflugtermin 11.08. fest. Ich bin deshalb erst gegen 10:00 losgefahren, aber es war leicht bewölkt, angenehme Temperatur, kein Wind,eine schöne Nebenstrecke gefunden und dazu noch richtig gute Beine. Ich fuhr durch Rute und hatte einen Stop im nächsten Ort Iznájar geplant und dann passierte es. Auf einer steilen Abfahrt hinter Rute bin ich mit 70 km/h durch eine Bodenwelle und mit lautem Knall ist die Kette gerissen. Zuerst konnte ich das Pech nicht fassen doch schon kurze Zeit später habe ich realisiert, daß ich ein Riesenglück gehabt hatte. Nicht auszudenken, wenn die Kette in die Speichen gekommen wäre oder sich irgendwie verklemmt und ein Blockieren des Hinterrads verursacht hätte. Ein Sturz bei diesem Tempo hätte mindestens das Ende meines Trips bedeutet. Ich habe also versucht, zurück nach Rute zu trampen. Die ersten Pickups fuhren einfach weiter, aber schon relativ schnell nahm mich eine sehr nette ältere Spanierin in ihrem Kleinwagen mit. Sie fragte sich obendrein in Rute so lange durch, bis wir ein Sportgeschäft gefunden hatten. Der Besitzer sah sich den Schaden an und bat mich, in einer Stunde wiederzukommen. Ich war total erleichtert, denn es war Samstagmittag und im wahrsten Sinne des Wortes 5 vor 12 um den Schaden noch zu beheben, bevor am Wochenende alles dicht war. In Rute war gerade Markt und so konnte ich mir die Zeit recht kurzweilig vertreiben, kam an einem Stand noch ins Gespräch mit dem Verkäufer. Er war ein halbes Jahr in England gewesen, hatte sich in dieser Zeit seine Sprachkenntnisse selbst beigebracht und wollte nächstes Jahr zum Auslandsstudium nach Düsseldorf. Habe bei der Gelegenheit einen großen Becher spitzenmäßiger Oliven bei ihm gekauft, obwohl meine Transportkapazitäten ja begrenzt waren. Das Rad war fertig, zwar eine 10fach-Kette drauf, aber das war mir herzlich egal, Hauptsache ich konnte überhaupt weiterfahren. Habe zusätzlich noch ein paar Brillengläser erwerben müssen, da ich eins verloren hatte (muß im Auto passiert sein). Die haben zwar nicht zu 100% gepaßt, aber ich konnte sie zumindest einigermaßen „klemmend“ reinfummeln. Ich habe dann leider feststellen müssen, daß ich die neue Kette nicht aufs große Blatt bekomme, aber 39/11 reichen im Flachen auch locker aus und ich bin den Rest der Reise so weitergefahren. Jetzt begann aber der körperliche Leidenspart des Tages. Durch die Verzögerung fand der Rest der Etappe in der fetten Mittagshitze statt und die Strecke selbst wurde auch hart. Zuerst zwang mich die Umleitung einer Baustelle zu einem steilen Umweg und nach einem Getränkestop bei Iznájar ging es Richtung Priego nochmals durch die südlichen Ausläufer der Sierras Subbéticas. Anfangs schoß ich rückenwindunterstützt förmlich den Berg hoch, und ich spielte mit dem Gedanken einer Routenverlängerung (die Etappe heute war relativ kurz), aber dann kam ein Streckenabschnitt, der mir so richtig den Zahn zog. Es folgte nämlich eine Serie von 15-20%ern, immer wieder trügerisch unterbrochen von Flachstücken, die ein Ende des Anstiegs erhoffen ließen. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Rampen das waren, alle nicht sehr lang, aber in Summe sehr heftig. Nach dem höchsten Punkt folgte leider keine erlösende Abfahrt, sondern bis Priego blieb es wellig und ich war froh, daß die Fahrt bereits nach 85km zu Ende war. Das „Hostal Rafi“ war relativ schnell gefunden und gehört auf jeden Fall aufs Podium der Tour. Picobello sauber, schönes Zimmer, ein schöner Patio, desgleichen die Bar und das Restaurant, Preis/Leistung für 25,-- EUR m.E. unschlagbar. Zuerst gab's einen kleinen Snack, zwei meiner Favourites, nämlich Boquerones und Salmorejo und frisch gestärkt habe ich mir die Stadt angeschaut. Wirklich sehr schön, vor allem die große barocke Brunnenanlage „Fuente del Rey“ und der herrliche Ausblick vom Balcón de Adarve am Rande der Altstadt. Da mir meine Unterkunft so gut gefallen hat, habe ich dort den Abend in der Bar verbracht. Einer der Kellner war auch begeisterter Radfahrer, es kamen noch andere Angestellte und der Chef dazu und wir haben uns lange unterhalten. Der Chef hat auf meinen heutigen „zweiten Geburtstag“ (der Nicht-Sturz) noch einen ausgegeben.

 

 

 

20. Tag (04.08.13)

 

16. Etappe: 4:25 Stunden / 101km / 1.200 Höhenmeter

Priego de Córdoba – Alcalá la Real – Puerto Lope – Moclín – Tiena – Pinos Puente – Casanueva – Barrio del Pilar – Valderrubio – Fuente Vaqueros – Chauchina – Santa Fe – Granada

 

Früh aufgestanden und kurz nach dem Hostal an einer Bar zum Frühstück gestoppt. Meinen bekannten „Bodega-Standard“ gegessen und dem bunten Treiben zugekuckt. War heute ja Sonntagmorgen und neben dem üblichen Publikum waren noch etliche vom Vorabend übriggebliebene Nachtschwärmer am Start. War gut was los und dann hat mir noch einer kurz 'ne Kassette ins Ohr gedrückt über irgendein spanisches Internet-TV. So gut wie nichts verstanden, freundlich verabschiedet und losgezuckelt. Nicht zum ersten Mal war ich gleich gefordert, auf einer Hauptstraße ging es bis Alcalá in gut einer Stunde wellig 600 Höhenmeter rauf. Anschließend wollte ich zwar nicht unbedingt die große Hauptstraße nach Granada nehmen, andererseits hätten die alternativen Nebenstrecken einen ziemlichen Umweg bedeutet mit zusätzlich sehr wahrscheinlich bergigem Terrain. Also Hauptstraße, die lief super und wegen Sonntag war kaum Verkehr. Irgendwann wurde es aber doch zu langweilig und ich bin nach Moclín abgebogen. Die nachfolgend sehr schöne Strecke mußte ich zwar mit einem happigen Anstieg bezahlen, wurde aber mit dem schönen Moclín und einer wiederum herrlichen Kombination aus Ausblick und Abfahrt entschädigt. Später in Pinos Puente entschied ich mich dann wegen bisher zu geringer Kilometeranzahl für eine Zusatzschleife. Landschaftlich war das sehr reizlos, allerdings ging es durch das westlich von Granada flache Umland flott voran. Die Einfahrt nach Granada war wieder etwas knifflig: nach einigem Durchfragen, Via de Servicios und teils sogar Befahren der Autobahn landete ich aber im Zentrum und hatte irgendwann auch mein „Hotel Nest Style Granada“ gefunden. Ist zwar in der Tat recht „stylisch“, wenn auch nicht so wie bei Booking zu sehen (zumindest mein Zimmer), aber schon sehr klein. Das Bad war winzig, beim Duschen ist z.B. fürs Einschäumen enorme Gelenkigkeit sehr förderlich. Aber auch gute Punkte: günstig, sehr zentral, trotzdem ruhig, nettes Personal und vor allem der geräumige Gemeinschaftsraum im 4. Stock mit Küche, freiem Internet-Terminal und super Ausblick auf die Plaza del Carmen. Ich war schon gegen Mittag angekommen und bin in einer Nebenstraße der Plaza in eine vom Hotel empfohlene Tapas-Bar, vor allem für Fisch (Los Diamantes). Hölle los, augenscheinlich nur Spanier, immer ein sehr gutes Zeichen. Nach einigen Schwierigkeiten bei der Bestellung halfen mir zunächst drei junge Burschen und anschließend bin ich bei einem spanischen Ehepaar mittleren Alters gelandet. Es gab mal wieder eine spontane Einladung, wir hatten eine gute Stunde viel Spaß, ein paar Tapas und ein paar Bier und anschließend bin ich dann zu einem ersten Rundgang aufgebrochen. Zunächst ging es durch die Altstadt bevor ich gegen Abend auf einem Hügel im Albaicín (das alte maurische Viertel) landete, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Alhambra gegenüber hat. Der Hügel ist aber wohl ziemlich bekannt und es waren eine Menge Touris dort, was natürlich auch fliegende Händler und ein paar Musikanten auf den Plan lockte. Naja, ich habe irgendwo doch ein ungestörtes Eckchen gefunden und unter einigen neidischen Blicken mein vorher besorgtes Abendessen verspeist. Was wohl? Richtig: Brot, Schinken, Rotwein, bin eben ein Gewohnheitstier. Außerdem hatte ich noch Oliven aus Rute übrig. Die halten sich übrigens auch bei Hitze problemlos einige Tage in ihrem Saft. Ein wenig getrübt wurde mein Mahl durch einen aufdringlichen kleinen Köter, der ständig versuchte, an meinen Rucksack zu gelangen, wo das Essen verstaut war. Die Besitzer hat's nicht groß interessiert und ich war kurz vor einem gezielten erzieherischen Tritt in die Rippen. Hat er wohl geahnt und sich dann doch verzogen. Bin dann zurück ins Hotel, morgen stand ja einiges auf dem Programm. Bei einem kurzen Abstecher vorher im Los Diamantes lernte ich dann noch kurz einen Japaner aus der japanischen Botschaft in der Ukraine kennen. Für die Ukraine habe ich also schon einmal einen Anlaufpunkt.

 

 

 

21. Tag (05.08.13)

 

Granada

 

Granada ist mit ca. 240.000 Einwohnern die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Größte Sehenswürdigkeit ist die maurische Festungsanlage Alhambra, eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas. Deren Besuch stand heute hauptsächlich auf dem Programm. Vorher habe ich noch einen Radladen aufgesucht, um das Umwerferproblem beheben zu lassen, aber auch bei „Dr. Bike“ konnten sie nichts machen. Der Weg zur Alhambra war länger als mir im Hotel prognostiziert wurde und ich kam auf den allerletzten Drücker zu „meiner“ Einlasszeit um 14:00 Uhr an (man muß sich bei der Buchung für eine festgelegte Uhrzeit anmelden). Die gesamte Anlage ist extrem beeindruckend, Auge und Hirn sind fast überfordert mit der Verarbeitung der Fülle an Eindrücken und der „optischen Überflutung“. Ich habe mich ca. 4 Stunden dort aufgehalten, inkl. dem Besuch des im Osten vorgelagerten Generalife, der Sommerresidenz der Nasriden-Sultane mit seinen Gärten, Brunnen und Wasserspielen. Ich traf zufällig auch meinen japanischen Freund vom Vorabend wieder, der kurz vor der Rückkehr in die Ukraine stand und sich auf einer schattigen Parkbank mit einer eiskalten Cerveza erfrischte. Wahrscheinlich um die Flugangst zu bekämpfen ;-) Der Rückweg in die Stadt führte durch einen wunderbar schattigen, mit hohen Bäumen bestandenen Park hinab. Dies war auch gefühlt bedeutend kürzer als der Hinweg am Mittag. Zurück im Hotel habe ich im Internet die morgen anstehende Ausfahrt aus Granada gecheckt und versucht, die übernächsten Übernachtungen zu organisieren, für morgen in den Alpujarras war schon alles erledigt. Sicher war nur, daß es an die Küste geht, aber nicht genau wohin. Grob war die Gegend um Nerja anvisiert, es ließ sich aber nichts Günstiges finden und ich beschloß, erst dort vor Ort mein Glück zu versuchen. Abends habe ich noch diverse Bars und Bodegas abgeklappert, darunter das bekannte Los Diamantes, eine mit asturischen (!) Spezialitäten (Tip vom Hotel), eine sehr gute selbst entdeckte und auch die teuere direkt gegenüber dem Hotel. Die sah zumindest so aus und nach dem Besuch bestand diesbzgl. auch kein Zweifel mehr ;-)

 

 

 

22. Tag (06.08.13)

 

17. Etappe: 4:45 Stunden / 97km / 1.935 Höhenmeter

Granada – La Zubia – Gójar – Otura – Padul – Cozvijar – Albuñuelas – Saleres – Restábal – Melegís – Lecrín – Lanjarón – Órjiva – Carataunas – Pampaneira – Bubión

 

Heute wurde es ernst, es ging in die Sierra Nevada, genauer gesagt in die „Alpujarras“, der letzen maurischen Bastion auf spanischem Boden, gelegen im südwestlichen Teil der Sierra Nevada. Für meine Übernachtung hatte ich mir Bubión ausgesucht. Es ist neben Pampaneira und Capileira einer von drei relativ eng beieinanderliegenden kleinen Örtchen, die malerisch an der Schlucht des Río Poqueira liegen. Bubión auf 1.300m liegt zwischen den beiden und Capileira auf über 1.400m ist das Ende der Sackgasse, hier endet die Straße. Die Vortagsrecherche machte sich bezahlt, relativ problemlos fand ich aus Granada hinaus und gelangte durch einige Vororte nach Padul, es bot sich ein erster imposanter Blick auf die Sierra Nevada. Ich bog ab Richtung Albuñuelas und dort ging es Gott sei Dank nicht weiter nach Süden, wie eigentlich geplant. Ich hatte mich bei der Routenplanung wohl stark verrechnet, denn das wären bestimmt hügelige 50km mehr gewesen und auch so hatte ich am Ende des Tages meine knapp 100km voll. Also gen Osten, in Lecrín warnten mich zwei ausgewanderte Engländer vor dem was kommen sollte, aber der erst Teil nach Lanjarón war eigentlich locker. Erst anschließend, hinter Órjiva sollte es wirklich „zur Sache gehen“. Nach letzter Erfrischung nahm ich den Berg in Angriff. Oben im Berghang lag ein weißes Dorf und ich dachte, das wäre bereits mein Ziel, aber es entpuppte sich mit Carataunas lediglich als Zwischenstation nach 400 Höhenmetern. Insgesamt mußten bis Bubión am Ende ca. 1.000 Höhenmeter auf 16km Anstieg überwunden werden. War zwar nicht ohne, ging aber letztlich ganz gut. Richtig steil ist es eigentlich nirgends und das letzte Drittel sogar einigermaßen schattig. Der größte Feind blieb einfach die Hitze ab mittags, daran habe ich mich die ganze Tour nicht wirklich gewöhnt. Das „Hostal Rural Las Terrazas de Alpujarra“ wurde den positiven Kritiken gerecht. Sehr gemütlich mit einem Wahnsinnsausblick auf die Berge. Das Hostal hat nicht nur die Terrasse im Erdgeschoß, sondern auch noch je eine im 1. und 2. Stock. Es existiert zwar keine Klimaanlage, aber in dieser Höhe ist die Hitze auch nicht so stark, war also kein Problem. Ich bin dann ein wenig durch den Ort geschlendert. Sehenswürdigkeiten im engeren Sinne gibt es eigentlich keine, der Reiz besteht für mich aus seiner exponierten Lage und der Aussicht, der Ruhe und Abgeschiedenheit. Ob die beiden „Schwesterdörfer“ mehr zu bieten haben weiß ich nicht, mir hat Bubión jedenfalls gut gefallen. Wer Ruhe und Entspannung sucht, vielleicht ein bißchen Wandern möchte, ist hier oben gut aufgehoben. Bin noch mit drei spanischen Mountainbikern ins Gespräch gekommen, mit dem MB gibt es hier bestimmt mehr Möglichkeiten bzgl. der Routenvielfalt. Abends war mal wieder Selbstverpflegung mit den bekannten Zutaten angesagt. Ich habe mich mit meinem Essen auf die oberste Terrasse gesetzt und dort die wundervolle Abenddämmerung genossen. Ich bin anschließend noch einmal durch das Dorf gewandert und jetzt wirkte alles wie verwandelt. Die Gassen stimmungsvoll beleuchtet, eine tagsüber gar nicht bemerkte üppige Vegetation, alles ganz ruhig bis auf das Glucksen und Rauschen des Wassers aus vielen kleinen Brunnen, Wasserbecken, manchmal unsichtbaren Bächen und Wasserläufen, wirklich zauberhaft. Leider stieß das lichtschwache Objektiv meiner kleinen Kompaktkamera wie schon so oft vorher in der Dämmerung/im Dunkeln an seine Grenzen.

 

 

 

23. Tag (07.08.13)

 

18. Etappe: 5:10 Stunden / 123km / 1.725 Höhenmeter

Bubión – Pitres – Pórtugos – Busquístar – Trevélez – Almegíjar – Torvizcón – Vélez de Benaudalla – Motril – Salobreña – Molvízar – Ítrabo – Jete – Almuñécar

 

Nach der vielleicht besten Cafe/Jamón-Kombi des Urlaubs im Hostal bin ich nach Trevélez aufgebrochen. Der Ort, der außerdem für sehr guten Schinken bekannt ist, ist angeblich der höchstgelegene Spaniens und nach der Abfahrt runter nach Pampaneira war klar, daß der Tourbeginn nicht geschenkt werden würde. So war es dann auch, bis Trevélez innerhalb der ersten Stunde 600 Höhenmeter. Nach welliger Weiterfahrt kam die erste und mit 16km auch längste Abfahrt des Tages, gigantisch und über gute Nebenstraßen. Zwischen Torvizcón und Veléz de Benaudalla geht es durch schöne Landschaft mit letztem Blick auf die Sierra und vor Veléz auf einen großen Stausee. Das letzte Stück runter nach Motril bietet zwar einen weiten Blick übers Meer, aber auch über große Flächen mit Plastik abgedeckter Felder, wahrscheinlich Obst-/Gemüseplantagen, kein so schöner Anblick. Vielleicht gibt es eine Alternative, ich habe jedenfalls keine gefunden und so mußte ich weiter entlang der Küste die N-323a/N-340 nehmen. Keine Autobahn und daher erlaubt, aber vom Verkehrsaufkommen sehr heftig, kaum schützende Seitenstreifen, ziemlich gefährlich, da hatte ich schon Bammel. In Salobreña nach einigen Kilometern also schleunigst runter und erstmal ein Stop. Ich war mir unschlüssig, ob ich hier übernachten oder noch etwas weiterfahren sollte. Eigentlich auf den ersten Eindruck ein schöner Ort, aber da es auch einen Weg durchs Hinterland in den nächsten Ort Almuñécar gab (die Küstenstraße war tabu) entschied ich mich fürs Weiterfahren. Die Ausfahrt aus der Stadt über kleine Sträßchen war nicht einfach, aber mit try and error und ein bißchen Glück landete ich schließlich auf der richtigen Landstraße. O.k., das lockere Heimrollen auf den letzten 12km hatte ich ja abgehakt und auf eine kleine Kletterpartie war ich auch eingestellt, aber nicht auf das, was kommen sollte: ein richtig deftiger Anstieg mit > 500 Höhenmetern und das zum Schluß des Tages war schon richtig heavy und die wieder wundervolle Abfahrt auch nur ein kleiner Trost. Bin ins Zentrum gerollt und habe nach kürzester Zeit eine günstige, gemütliche Pension (Casa Fina Ruíz) gefunden. Bin etwas durch die Stadt geschlendert, habe in einem Internetcafe die Málaga-Unterkunft gebucht und dann zum Strand. Endlich mal wieder das Meer sehen !! War auf einmal richtig in „Urlaubsstimmung“, hört sich vielleicht blöd an, da ich ja schon seit Wochen im Urlaub war, aber Sonne, Strand und Meer wirken zusammen einfach anders auf mich ein. Am westlichen Ende des Strands konnte man einen Felsen erklettern, von wo sich ein großartiger Ausblick entlang der Küste bot, es wirkte besonders schön in der einsetzenden Abenddämmerung. Am gleichen Ende, ganz in der Nähe des Felsens, befindet sich am Strand eine Ansammlung von Bars und Clubs, viele loungemäßig gestaltet, wo jetzt richtig was los war. Es lief coole Musik und etliche Leute haben die Location wohl auf dem Weg vom Strand ins Hotel als Zwischenstation eingeschoben und sich ein wenig in Stimmung gebracht. Es war ja schließlich Hauptferienzeit in Spanien und die meisten werden spanische Touristen gewesen sein. Auch abends in der Stadt war es proppenvoll, man merkte schon, daß man sich in einem Urlaubsort befand. Ich fand's aber trotz des Rummels richtig schön, (fast) keine der Segnungen des Massentourismus in Form von Ramschläden, Fast-Food-Ketten oder Billigkneipen an jeder Ecke zu sehen.

 

 

 

24. Tag (08.08.13)

 

19. Etappe: 2:50 Stunden / 75km / 455 Höhenmeter

Almuñécar – La Herradura – Nerja – Torrox-Costa – Torre del Mar – Rincon de la Victoria – Málaga

 

Málaga sollte meine letzte Station werden. Im Umfeld standen zwar noch zwei Stationen auf dem Programm, aber die konnte ich auch als Tagestour von Málaga aus anfahren, vor allem endlich mal wieder ohne das lästige Gepäck. Außerdem hätte ich so mehr Zeit, die Verpackung und den Transport des Fahhrads zu organisieren. Bin wieder relativ früh aufgestanden und habe kurz in einer Bar mein Standardfrühstück eingenommen. Am Anfang war es recht wellig und ich habe in der ersten Stunde fast die gesamten Höhenmeter des Tages gesammelt. Zwischen Salobreña und Nerja ist die Küste nämlich felsig, es geht nicht toujour am Meer entlang, sondern immer wieder ein bißchen weg vom Meer durchs Hinterland. Sehr schöne Straße, früher die Hauptstraße entlang der Küste, aber nach dem Bau der Autobahn jetzt mit sehr wenig Verkehr. Das gilt zumindest für den ersten Abschnitt bis Nerja, danach Richtung Málaga nahm die Verkehrsdichte erheblich zu. Ab Nerja auch ein verändertes Landschaftsbild: jetzt war es brettflach immer am Meer entlang, der gesamte Küstenabschnitt wirkte viel stärker touristisch erschlossen. Ich habe die Orte zwar nur durchfahren und gar nicht richtig gesehen, aber der erste Eindruck war der von den typischen Bettenburgen. Aber es lief prima, schöner Rückenwind bis Málaga. Nicht zum ersten Mal war die Stadteinfahrt schwierig, da die Landstraße einfach in die Autobahn überging. Málaga ist mit 560.000 Einwohnern nach Sevilla die zweitgrößte Stadt Andalusiens und die Suche nach der Unterkunft die bisher schwierigste. Nach zigfachem Durchfragen und einer halben Stadtrundfahrt kam ich endlich in der Jugendherberge an. Sie ist ruhig gelegen an der Plaza Pío XII mit schönem Blick auf die Iglesia de San José Obrero gegenüber. War wirklich o.k., recht neu und modern. Ich hatte zwar ein Zimmer mit separatem Bad gebucht, mußte es aber mit dem Doppelzimmer nebenan teilen. Das waren aber zwei nette Burschen von der Isle of Man, die 3-4 Monate durch Europa unterwegs waren. Da sie auch das Nachtleben stärker ausgekostet haben war unser Tagesrhythmus auch ein wenig unterschiedlich, so daß wir uns nie im Bad im Weg waren. Den Internetzugang konnte ich zuerst nicht nutzen, da gerade Reparaturarbeiten im Gange waren, also bin ich gegenüber in einen kleinen Mercado, um mir eine 8l-Bombe Wasser für die nächsten Tage zu besorgen. Die Besitzer, ein älteres spanisches Ehepaar, waren supernett und überraschten mich einer Begrüßung auf deutsch, den Touri kann man auch nach 3wöchiger Bräunung wohl nicht verbergen. Sie erzählten, daß sie drei Jahre in Bamberg gearbeitet haben und stellten mich einem gerade reinkommenden Herrn vor: Hermann aus Österreich, der seit 20 Jahren in Málaga lebt und im dortigen Symphonieorchester spielt. Zurück in der Herberge lief das Internet zwar, aber unglaublich langsam, also habe ich ein Internetcafe gesucht, um die Adressen von Radläden in der Nähe zu ergoogeln. Einige Treffer erhalten und sofort auf den Weg gemacht. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, das Rad unverpackt einzuchecken, was zwar wohl manchmal geduldet wird, aber wenn man Pech hat eben auch nicht. Also erstmal Karton besorgen, damit ich das Thema vom Hals habe. Die anschließende Odyssee durch die Stadt war unglaublich. Schlußendlich hatte ich einen Laden („Irontriath“) gefunden, aber nur, weil ein vorbeikommender Rennradfahrer dahin vorgefahren ist. der hatte, mir aber zumindest für den nächsten Tag einen „vermitteln“ konnte. Der Inhaber, selbst mehrfacher Langdistanzfinisher, hatte zwar auch keinen Karton, war aber sehr hilfsbereit und hat im Trek Bycicle Store einen für den nächsten Tag organisiert. Wirklich außergewöhnlichem Sehenswürdigkeiten hat Málaga eigentlich nicht zu bieten, ich fand die Stadt dennoch sehr attraktiv. Zuerst bin ich mit dem Rad in Richtung Strand gerollt und auf dem Weg dahin über den Paseo Maritimo. Sehr neu und gepflegt, schicke Flaniermeile mit ziemlich noblem Ambiente und Flair. Ein kurzer Blick auf den Strand hat mir gereicht, es war durch den Wind recht kühl. In der Altstadt war es mir anschließend aber zu überlaufen und ich bin zurück in die Herberge. Auf dem Weg bin ich noch in einer kleinen Bodega gelandet, wo der Wirt und die Gäste wohl so von meiner Tour angetan waren, daß sie mich zu diversen Bieren und Häppchen eingeladen haben. Tagesausklang war dann auf einer der Terrassen der Herberge mit den Jungs von der Isle of Man.

 

 

 

25. Tag (09.08.13)

 

20. Etappe: 4:53 Stunden / 118km / 1.215 Höhenmeter

Málaga – Campanillas – Estación de Cártama – Pizarra – Álora – El Chorro – Valle de Abdalajís – Álora – Pizarra – Estación de Cártama – Campanillas – Málaga

Mein „Termin“ im Trek-Store war erst gegen Mittag und so hatte ich im Vorfeld noch ein wenig Zeit. Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Jugendherberge (war in Constantina schon gut und scheinbar Standard in spanischen Herbergen) bin ich mit dem Rad ins Zentrum gerollt und habe mir die Alcazaba, die alte maurische Festungsanlage aus dem 11. Jahrhundert, angeschaut. Sie liegt auf einem Hügel und bietet einen großartigen Ausblick über die gesamte Stadt. Die Anlage hat bei weitem nicht die Pracht der Alhambra, aber trotzdem hat sich der Besuch gelohnt. Eine üppige Bepflanzung, viele Brunnen und Wasserläufe, sehr grün, schattig und kühl. Da zusätzlich (zumindest vormittags) schwach besucht wirkte das Ganze sehr beruhigend und entspannend. Gegen Mittag konnte ich meinen Karton abholen und zur Herberge schleppen. War nicht so weit und das Ding wiegt ja auch so gut wie nichts. Ich war jedenfalls heilfroh, mir über diesen Punkt keine Gedanken mehr machen zu müssen. Schließlich war das „Motto“ der Tour ja, „das Bianchi nach Hause zurückzuholen“ und das war jetzt mit dem Karton gesichert. Ohne Gepäck ging's dann los Richtung Westen, die Ausfahrt war ganz einfach, Ziel war Álora, einem typischen Pueblo Blanco nordwestlich von Málaga. Bis dorthin war es überwiegend flach/leicht wellig und mit starkem Rückenwind ging es schon fast zu leicht, das gleiche Stück mußte ich ja zurück.... Ich machte dort einen Stop in einer winzigen Bodega, genehmigte mir zu einer Tapa Jamón zum ersten Mal während der Reise ein Bier während der Tour (sonst ein „No-Go“) und wurde in ein zunächst nettes Gespräch verwickelt, das aber zum Ende unheilvoll Richtung Politik abdriftete. Die beiden Jüngeren wollten das auch beenden, aber der Ältere kam so richtig in Rage und wollte mir vor allem nicht abkaufen, daß sich mein kleiner Wortschatz fast nur um das Thema „Reisen“ dreht und noch nicht einmal rudimentär für komplexe politische/wirtschaftliche Diskussionen taugt. Ging aber alles gut, er ließ sich letztlich wieder beruhigen. Spontan beschloß ich, noch die Garganta del Chorro anzufahren, eine weiter nördlich gelegene ziemlich spektakuläre Schlucht. Die Fahrt dorthin war landschaftlich weitaus reizvoller als der Weg nach Álora und auch die Schlucht selbst ist durchaus beeindruckend. Leider konnte ich nicht durchfahren (wenn das überhaupt möglich ist), da ich nach El Chorro abgebogen bin. Das ist jedoch nur ein winziger namensgebender Ort in der Nähe und nicht die Schlucht selbst. Wer zur Schlucht will, muß nach Ardales abbiegen. Ich weiß aber wie gesagt nicht, ob man überhaupt reinfahren oder reingehen kann. Hinter El Chorro Richtung Valle de Abdalajís geht es erstmal böse hoch, über ca. 2km zwischen 10 und 20%, dazu auf recht schlechter Straße. Ohne Gepäck war das aber eine ganz andere Geschichte und o.k. Von Valle zurück nach Álora sollte man auf der Hauptstraße bleiben, in einem kurzen Gespräch mit der Guardia Civil, warnte mich einer von ihnen (war Rennradfahrer) eindrücklich vor der Nebenstrecke. Die Tagesetappe wurde doch länger als geplant und ich legte nochmals einen Stop zur Stärkung, wiederum in Form etwas unpassender Ernährung, ein. In Essig eingelegter Fisch, Hühnchen in Knoblauch und dazu ein Bier sind ja nicht gerade sportgerechte Klassiker. Anschließend erwies sich der erwartete Gegenwind zurück glücklicherweise als halb so wild. Durch den späten Aufbruch am Mittag war ich erst gegen 19:30 zurück, der letzte Teil der Fahrt also in beginnender Abenddämmerung und sehr angenehm. Ein wenig müde habe ich mir nur noch was zu Essen und Trinken besorgt und mich mit allem auf der Terrasse der Herberge niedergelassen. Die Engländer waren auch da und wir haben noch bis nach Mitternacht geklönt.

 

 

 

26. Tag (10.08.13)

 

21. Etappe: 3:30 Stunden / 80km / 1.295 Höhenmeter

Málaga – Almogía – Villanueva de la Concepción – Málaga

 

Beim Frühstück ein junges spanisches Pärchen aus Katalanien (Banyoles in der Nähe von Girona) getroffen. Sie waren auch auf einer Fahrradtour und fuhren die gesamte Küste runter bis Cadiz. Die beiden hatten, anders als ich, ziemlich umfangreiches Gepäck in Satteltaschen dabei und das auf ihren Carbon-Rennrädern befestigt! War eine ausgeklügelte Konstruktion, wobei ihnen ein Freund und Handwerksgenie die Halterungen selbst gebaut hat. Sie ist eine gute Schwimmerin, er wird dieses Jahr seine erste Langdistanz in Barcelona machen. Da sie recht gut englisch konnte, haben wir uns lange unterhalten. Wir wollen auch weiterhin Kontakt halten, da sie genauso wie ich weitere Radreisen planen und unsere Erfahrungen austauschen können. Gegenseitige Einladungen nach Hause stehen schon, falls es uns in die jeweilige Gegend des anderen verschlägt. Wäre toll, wenn das wirklich mal zustande käme. Eigentlich wollte ich heute bis Antequera um die fantastischen Felslandschaften „El Torcal“ anzusehen. Nach zwei Stunden war ich allerdings erst in Villanueva de la Concepción und ich wollte mir am letzten Tag keinen Streß mehr antun (die Weiterfahrt nach El Torcal hätte einen 6km-Anstieg mit bis zu 17% nötig gemacht). Die Hinfahrt nach Villanueva über eine kleine Straße und auch die Rückfahrt über eine etwas größere sind aber unbedingt empfehlenswert. Sehr guter Asphalt, kein Verkehr, sehr schöne landschaftliche Impressionen. Nicht umsonst begegnete ich einer Menge Radfahrer. Zurück bin ich mit einer 4-köpfigen Truppe aus Málaga, die mich einluden, doch mit ihnen zusammen zu fahren. War ein sehr schöner Ausklang der Reise. Zurück habe ich mir zunächst Klebeband für den Karton besorgt und bin zur Abschiedsrunde durch Málaga aufgebrochen. Zuerst ein wenig am Strand abgehangen und auf dem Rückweg Abendessen besorgt. Dabei habe ich noch zweimal die spanische Gastfreundschaft kennengelernt. Zunächst in einer schickeren Tapas-Bar/Cafeteria von einer älteren Dame nebst Söhnen in meinem Alter eingeladen worden. Einer war selbst Radfahrer, der andere ein „Hardcore“-Freeclimber. Dann in einer am ersten Tag kennengelernten Bar wieder vom Wirt, der vielleicht nächstes Jahr nach Bremen will (die Umastände habe ich nicht verstanden). Da kam es leider zum Schluß noch zu einer echt unangenehmen Begegnung. Ein total stracker junger Spanier hat mich vollgelabert, wobei er mir richtig auf die Pelle gerückt ist. Habe kein Wort verstanden und ihm das auch mehrmals freundlich gesagt. Da er das aber ignorierte mußte ich irgendwann abrupt das „Gespräch“ abbrechen und da verschwinden. Bin dann noch ein wenig rumspaziert, habe die letzten warmen Sommerabendstunden genossen und auf der Herbergsterrasse mit einem kleinen Abendessen den Urlaub abgeschlossen. Insgesamt war es eine herrliche Tour gewesen, mit vielen interessanten Begegnungen und einer Fülle an Eindrücken. Einerseits freute ich mich zwar wieder auf zu Hause, aber ich hätte durchaus noch ein oder zwei Wochen dranhängen können. Hat mich im Nachhinein doch ein wenig geärgert, einige Ecken ausgelassen zu haben und ich habe mir vorgenommen, den Zeitrahmen bei zukünftigen Reisen noch flexibler zu gestalten.

 

 

27. Tag (11.08.13)

 

Heimreise

 

Keine großen Besonderheiten. Die Taxifahrt fand ich recht teuer (25 EUR) für die ca. 10km bis zum Flughafen, vielleicht lag's an dem größeren Wagen, um den Radkarton zu transportieren. Es gibt aber keine Alternative mit öffentlichen Verkehrsmitteln morgens um 4:00 Uhr. Alles lief reibungslos, Flug pünktlich, in Köln/Bonn direkt einen Zug nach Koblenz erwischt und von dort fast auf die Minute einen Bus nach Ochtendung.