Allgemeines

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Hier noch einige allgemeine Anmerkungen zu verschiedenen Themen während der Reise:

 

Wetter/Hitze:

Ich mag zwar grundsätzlich Hitze, aber die Reise im Juli/August zu gestalten, stellte sich im Nachhinein als nicht wirklich clever heraus. An der Küste und in höheren Lagen der Sierras war es mit 30 – 35° noch vergleichsweise moderat, im Inland, vor allem in einem Streifen von Sevilla bis Jaen waren es aber teils über 40° (Rekord in Jaen mit 44°). Bei diesen Temperaturen radzufahren ist vor allem ab dem Mittag wirklich kein Vergnügen mehr. Selbst wenn ich viel getrunken habe, stellte sich das Problem Überhitzung ein. Vor allem mein Kopf wurde irgendwann so heiß, daß ich Stops einlegen mußte, um mich an Brunnen usw. mit Wasser zur Kühlung zu übergießen. Dagegen kann man nur eins tun: relativ früh losfahren. Aber selbst dann kommt man mindestens noch die letzte Stunde der Etappe in die große Mittagshitze. Die bleibt bis in den Abend unverändert, Nachmittagsetappen machen also keinen Sinn. Die Spanier haben mich wahrscheinlich für ziemlich bekloppt gehalten. Hier käme keiner auf die Idee, bei diesen Temperaturen Sport zu treiben. Die Radfahrer und Läufer, denen ich begegnet bin, kamen mir in der Regel morgens recht früh (spätestens aber bis 11:00 Uhr) schon auf ihrem Rückweg entgegen. Andererseits war das Thema „Vuelta Andalucia“ immer ein perfekter Aufhänger, um ein Gespräch zu beginnen, denn viele konnten das einfach nicht glauben und reagierten dann recht interessiert und neugierig.

 

Straßen:

Ich wollte mich überwiegend auf kleinen, wenig befahrenen Landstraßen bewegen, was in der Regel auch gelungen ist. Selbst größere Landstraßen sind in der Provinz teilweise extrem verkehrsarm, in der Nähe der größeren Städte sieht das dann schonmal anders aus. Autobahnen konnte man früher mit dem Rad befahren, das ist heute nicht mehr erlaubt. Dies war selbstverständlich nur für Notfälle ein Thema, aber genau diese tauchten auf der Tour leider des öfteren auf. Im Zuge des Baubooms der letzten Jahre sind in Spanien etliche neue Autobahnen gebaut worden. Manchmal parallel zu den alten großen Landstraßen, so daß ich diese wunderbar nutzen konnte, manchmal einfach über diese alten Straßen, so daß ich urplötzlich nur noch die Option Autobahn hatte. Dies muß immer noch kein Problem darstellen, da oft neben der Autobahn ein „Vía de servicio“ verläuft, meist asphaltiert, aber eben nicht immer. Dazu später mehr …

 

Die Qualität der Straßen ist sehr unterschiedlich. Man kann nicht von der Größe und Bedeutung der Straße auf den Zustand schließen. Ich habe größere Landstraßen in erbärmlichem und andererseits kleinste Nebensträßchen in traumhaftem Zustand erlebt. Aber auch umgekehrt. Ich habe deshalb oft die Einheimischen gefragt, wenn es verschiedene Möglichkeiten gab, von A nach B zu gelangen. Sehr angenehm ist übrigens der (bis auf Städte und Stadtnähe) extrem geringe Verkehr. Es kam vor, daß ich auf Nebenstraßen in den Bergen fast 2 Stunden keinem Auto begegnet bin. Außerdem verhalten sich die allermeisten Spanier sehr rücksichtsvoll gegenüber Radfahrern.

 

Schwierigkeit der Strecke:

Anhand der gefahrenen Höhenmeter ist ja ersichtlich, welchen Schwierigkeitsgrad eine Radreise in Andalusien besitzt, zumindest abseits der Küste. Flach ist es bis auf ein relativ breites Becken südlich des Rio Guadalquivir zwischen Sevilla und Cordoba nirgendwo. Das gilt jedenfalls für die Gegenden, die ich persönlich durchfahren habe. Diverse Küstenabschnitte, z.B zwischen Salobrena und Malaga (evtl. sogar bis Gibraltar?) und südlich von Cadiz Richtung Tarifa sind flach. Nördlich von Cadiz Richtung Portugal, die Region um Huelva sind (glaube ich) auch flach. Hier war ich allerdings nicht gewesen und kann es nicht mit Gewissheit sagen, auch den Küstenabschnitt zwischen Motril und Almeria und den Rest der Küste nach Norden kenne ich nicht. Sobald man sich im Bereich der Sierras befindet wird es halt hügelig/bergig und man sollte sein „Setup“ bzgl. der Übersetzung danach ausrichten. Lieber einen Rettungsring mehr bereithalten, als man vielleicht für nötig hält. Man muß eben auch das Mehrgewicht durch mitgeführtes Gepäck berücksichtigen. Bei mir brachte das Paket Fahrer/Rad (Stahlrahmen)/Gepäck 10-12kg mehr auf die Waage als die gewohnte Kombi Fahrer/Rad (Carbonrahmen). Mit einem 15-20% höheren Gewicht bei einer 2.000-Höhenmeter-Etappe fährt man besser nicht 39/23. Ich war heilfroh, auf die Empfehlung des Mechanikers im Radladen in Chiclana gehört zu haben. Details dazu s. „2. Tag“

 

Übernachtung:

Die Mitnahme des Schlafsacks stellte sich als überflüssige Sicherheitsmaßnahme heraus, denn selbst in abgelegeneren Gegenden ist es kein Problem, ein günstiges Dach über dem Kopf zu bekommen. Was heißt günstig? In Hostals (sehr einfache, aber saubere Unterkünfte) oder Jugendherbergen bekommt man selbst in Großstädten in zentraler Lage ein Einzelzimmer mit eigenem Bad für 20-25 EUR. Es geht auch noch günstiger (teilweise 10-15 EUR), wenn man ein Gemeinschaftsbad oder sogar Mehrbettzimmer akzeptiert. Letzteres habe ich mir aber nur einmal, in Sevilla, „angetan“ und danach nicht mehr auf den „Luxus“ Einzelzimmer verzichtet. Wenn ich relativ fertig, durchgeschwitzt und sonnenmilchverklebt nach (mit Pausen) 5-6 Stunden Radtour am Etappenziel ankam, hatte ich wirklich keine Lust, mir ein Minibad auch noch mit mehreren Leuten teilen zu müssen. Ich habe die Unterkünfte in der Regel jeweils einige Tage vor Ankunft übers Internet gebucht. Dadurch war ich zwar ein wenig „gebunden“ , aber eine kurzfristige Routenänderung, die ich auch mehrfach gemacht habe trotzdem jederzeit möglich.

 

Sehenswürdigkeiten und Sightseeing:

Die Reise war im Prinzip zweigeteilt: zum einen standen die großen Städte und ihre Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, zum anderen landschaftlich reizvolle Regionen. Letzteres und die tägliche Fahrt selbst nahmen den größten Teil der Reise in Anspruch. Manchmal notwendige (und auch alternativlose) „Überbrückungsetappen“ ließen sich nicht vermeiden (waren dann auch recht eintönig), aber der größte Teil der Route durch diverse Sierras war sehr schön. In den Städten habe ich mir eher die Bauwerke, Parkanlagen, Altstadtbezirke usw. angeschaut, als Museen oder Ausstellungen zu besuchen. Darunter natürlich „must-do's“, wie z.B. die Alhambra in Granada oder die Mezquita in Cordoba. Oft bin ich aber aufs Geratewohl losgezogen und habe mich einfach durch das Gewirr der kleinen Altstadtgäßchen treiben lassen. Hierbei habe ich häufig Interessantes entdeckt, was nicht in den einschlägigen Reiseführern vermerkt war. Ich habe zwar einiges gesehen während der Rundreise, aber es ist auch einiges auf der Strecke geblieben. Wenn ich mir immer die nötige Zeit gelassen hätte, wirklich alle Sehenswürdigkeiten mitzunehmen, hätte ich bestimmt noch zwei Wochen dranhängen müssen.

 

Routenplanung:

Ich war mir auch nicht sicher, ob die Ausschilderung vor Ort gut und mein Kartenmaterial ausreichend ist, um flüssig von A nach B zu kommen und nicht an jeder Ecke fragen zu müssen. Daher hatte ich auch anfangs mit der Anschaffung eines Navigationsgerätes geliebäugelt, mich wegen der Kosten und auch dem fehlenden „Abenteueraspekt“ dann doch dagegen entschieden, und bin auch so meist sehr gut klargekommen. Ausnahmen waren allerdings die Ein-/Ausfahrten in den größeren Städten, raus hat sich vor allem in Sevilla als sehr kompliziert erwiesen. Daher werde ich beim nächsten Mal wohl doch nicht ganz auf technische Hilfsmittel verzichten und mit einem Tablet oder Smart-Phone als umfassende Informationsquelle an den Start gehen. Das hätte mir nicht nur bei der Straßennavigation, sonden auch z.B. bei der Buchung der Unterkünfte sehr geholfen, denn es gab manchmal mehrere Tage keine Möglichkeit, ins Internet zu gehen. Zusätzlich könnte ich dann jeden Abend den Reisebericht und Bilder gleich online stellen und mir den diesbzgl. Riesenaufwand nach der Reise ersparen.

 

Sprache/Konversation:

Ich kann kein Spanisch, habe aber versucht, mir ein paar Grundkenntnisse beizubringen, was im Laufe der Reise auch immer besser wurde. Einigermaßen flüssigere Konversation war aber nur rund um das Thema „Reisen“ möglich. Redewendungen, einfache Fragen und das allermeiste Vokabular, was ich täglich benötigte und verwenden mußte, drehten sich nun einmal um dieses Thema. Die Spanier haben es aber sehr geschätzt, daß ich mir die Mühe gegeben habe, ihre Sprache zu sprechen, so holprig und schwierig das auch war. Ich wurde gleich wesentlich freundlicher und hilfsbereiter behandelt, als wenn ich versucht habe, mit Englisch weiterzukommen. Ich habe es deshalb auch vermieden wenn es nur irgendwie möglich war. Eine große Hilfe war ein kleines, aber dickes Reisewörterbuch. Oft hat es genügt, ein oder zwei nachgeschlagene Wörter in das „Gespräch“ einzuwerfen, um begreiflich zu machen, was man möchte. Langfristig wäre es aber schön, die Sprache besser zu lernen und eigentlich wollte ich schon immer einen Spanischkurs besuchen. Vielleicht bekomme ich jetzt endlich mal den Allerwertesten hoch, vor allem weil ich in den nächsten Jahren weitere Spanientouren plane.

 

Allgemeines zur spanischen Lebensart und dem Tagesablauf:

Der Tag läuft hier einfach anders ab. Klimatisch bedingt wird der größten Tageshitze durch die (nach)mittägliche „Siesta“ ausgewichen und das Ausgehen/Essen auf den späten Abend ( es kann sein, daß man bis vor 21:30 – 22:00 der einzige Gast in einem Restaurant oder einer Bodega ist!!) verschoben, bis zum späten Nachmittag/frühen Abend sind die Straßen eher verwaist. Ganz allgemein spielt sich viel mehr „öffentlich“, draußen auf den Straßen und Plätzen ab. Ausdruck findet das auch in der immensen Zahl der Bars und Kneipen, auch in kleinen und kleinsten Dörfern. Hier herrschte bereits morgens ein wuseliges Kommen und Gehen. Ich hatte den Eindruck, daß viele nicht in uns gewohnter Art und Weise ihr Frühstück zu Hause und eher ausgiebig einnehmen, sondern „auf dem Sprung“ auf dem Weg zur Arbeit in einer dieser vielen Bars. Ein Cafe con leche, dazu ein kleines Gebäckstück oder ein Toast, das war`s. Manche (wahrscheinlich eher Rentner) trinken auch durchaus schon einen Brandy dazu. Mittags war wieder richtig was los, keine große Mahlzeit, eher ein paar Tapas und Cervezas vor der Siesta. Nachmittags ist fast nichts los, etliche haben sogar geschlossen, bevor abends allmählich ieder das Leben zurückkehrt.

 

 

Ein ähnliches Bild bei den Geschäften: sind in der Regel von 09:00 – 14:00 und erst wieder von 17:00 – 20:00, teils bis 22:00, geöffnet. Zumindest der Einzelhandel/kleinere Geschäfte und tendenziell eher auf dem Land als in der Stadt. Größere Supermarktketten, Kaufhäuser usw. aber durchgehend. Ich finde es übrigens schön, daß es diese Vielzahl von kleinen „Tante-Emma-Läden“ um die Ecke immer noch gibt und sie noch nicht von den großen Handelsketten verdrängt wurden. Ob ein gewisser Trend in diese Richtung totzdem stattfindet, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls existieren sie momentan noch in großer Zahl.

 

Kleine Exkursion:

Wenn ich (übrwiegend) nur Übernachtung gebucht hatte, habe ich mir auch angewöhnt, dort zu frühstücken. Sehr oft das Gleiche: ein Cafe con leche und ein „Bocadillo Catalan“, ein leicht angetoastetes/geröstetes kleines Baguette, belegt mit Jamon Iberico (nicht Serrano!; probiert mal den Unterschied!). In unterschiedlichen Zutatenkombinationen von Tomaten/Olivenöl/Salz/Knoblauch. Prueba por favor !!!

 

„Tapas-Kultur“:

Gibt es wohl in ganz Spanien, aber in dieser Ausprägung (zumindest nach Aussage der Einheimischen) nur in Andalusien. Es ist üblich (bis auf wenigeAusnahmen), daß man zu jedem Getränk (außer Wasser; Kaffee?) eine Kleinigkeit zu essen serviert bekommt (kann man selbstverständlich auch separat ohne Getränk ordern). Das kann ein Schälchen Oliven sein, ein kleines Stück spanisches Omelett, ein Stück Baguette mit Käse oder Schinken, Hackfleischbällchen, Fisch, ein Garnelen- oder Hühnchenspieß, Chorizo, Salate usw. Die Vielvalt ist schier grenzenlos. Nachdem ich tagsüber Unmengen überwiegend warmen Wassers auf dem Rad runtergespült hatte, war die Vorfreude auf ein eiskaltes Bier am Abend immer riesig. Cana (kleines gezapftes Bier) + Tapa war also oft mein Abendessen. Da es eher nur kleine Häppchen sind, verteilt sich das Essen über den ganzen Abend, vor allem wenn man rumschlendert und mehrfach die Lokalität wechselt. Über den Handel wird man locker satt und das hat ein Abendessen in „normaler“ Form einige Male überflüssig gemacht.